Couch-Wertung:

88%
Idee
Text

Idee

das Leben der Indianer im Rhythmus der Natur, ein blinder Indianerjunge entwickelt ganz eigene Fähigkeiten, um zu überleben und seinen Stamm zu retten

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literarisch anspruchsvolle, dabei so einfache Sprache

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Aug 2008

Blühende Tanne vom Stamm der Crow bringt einen kräftigen Sohn zu Welt. Schweigsamer Jäger soll das Kind heißen bis die Familie erkennt, dass der Junge blind ist. Nach den Regeln des Stammes müsste das Baby ausgesetzt werden, denn beim Jagen und Wandern ist es nur eine Belastung für die Gemeinschaft. Doch Blühende Tanne bittet um das Leben ihres Kindes Wolkenauge und bewahrt es vor allen Gefahren, indem sie seine Augen, seine Ohren, sein Mund und seine Nase ist.

Großmutter Goldenes Licht betrachtet ihren Enkelsohn mit Skepsis. Er weint nicht und gibt kaum einen Laut von sich. Allerdings wirkt er gesund und entwickelt sich prächtig. Seine Eltern Blühende Tanne und Schneller Pfeil jedoch sind zuversichtlich und tragen das Kind wohin der Stamm auch zieht. Die Mutter redet ununterbrochen mit Wolkenauge, beschreibt ihm alles, führt seine kleinen Händchen oder zeichnet auf seinen Körper die Dinge, von denen sie berichtet. Auch seine Schwestern Weißes Reh und Silberner Berg spielen mit ihrem Bruder und lieben ihn. Die Crow leben je nach Jahreszeit in der Prärie und im Gebirge. Sie streben einen Einklang mit Mutter Erde an und achten ihre Gesetze. Vor allen Gefahren, die ihnen drohen, ob nun von Berglöwen, Skorpionen oder Klapperschlangen, von Kojoten, Taranteln oder trampelnden Bisonherden können sie sich schützen. Und wenn mal ein Berglöwe oder ein Wolf als Nahrung einen Menschen tötet, dann glauben sie, dass der Große Geist es so gewollt hat. Wolkenauge lauscht der Stimme der Mutter und der Natur. Eines Tages sagt der blinde Indianerjunge mit wenigen Worten einen heftigen Wind voraus. Als die Stammesmitglieder erkennen, dass der Junge sie wirklich vor einem verheerenden Sturm rechtzeitig gewarnt hat, ist ihnen nicht klar, ob er ein Abgesandter der Götter oder der Dämonen ist.

Der Sturm hat die Häute, die für den Handel mit dem Stamm der Tonkawa gegen Salz und Wolldecken, gedacht war, hinweggefegt. Die Crow sind verzweifelt, denn sie würden es nicht schaffen, rechtzeitig Bisons zu jagen und zu häuten. Nach dem Glauben der Indianer hat der Große Geist viele Tiere auf der Erde verteilt. Aber es gibt ein Gesetz: ";Jage nur, was du brauchst." Nach diesem Gebot leben die Crow und auch die anderen Stämme. Doch nun quälen sie die ";Spinnen der Sorgen", denn wenn sie den Tonkawa nicht genug zum Tausch anbieten, dann zeigen sie Schwäche und die Tonkawa würden die Gelegenheit nutzen, um ihre Jagdgründe für sich zu beanspruchen. Um ihre Ehre zu wahren müssen die Crow auf eine List zurückgreifen, die Blühende Tanne in Erinnerung an eine Legende ersinnt. Sie spürt die um sich greifende schlechte Stimmung, die sich auch gegen ihren Sohn Wolkenauge richtet. Die Crow täuschen nun ihren angeblichen Reichtum vor, obwohl auch die Tonkawa zugeben, dass sie eine schlechte Ernte hatten. Die Crow hängen ihre Tauschobjekte in die Bäume, denn sie haben in diesem Sommer mit den Söhnen des Himmels alles geteilt. Die Tonkawa müssen sich nun aus den Bäumen ihre Beute holen. Doch diese scheuen sich davor, denn sie wollen die Söhne des Himmels nicht kränken. Sie fordern nun die Crow auf, die Tauschobjekte selbst aus den Bäumen abzuhängen, damit die Götter zufrieden sind. Die Crow sind in der Falle, denn in den Bäumen hängen nur Attrappen. Wolkenauge spürt die Angst der Mutter, deren Plan nicht aufgeht. Der Junge schaut in Richtung des Häuptlings der Tonkawa und öffnet die Augen. Die Indianer fliehen voller Angst, denn die Augen des Kindes sind so weiß wie die Wolken.

Jedes Kind muss auf dem Weg zum Erwachsenwerden vieles lernen. Wolkenauge ist nicht in der Lage dazu. Er kann weder Krieger, Jäger, Kundschafter noch Schamane werden. Die Jugendlichen tragen kleine Medizinbeutel mit ihren Habseligkeiten bei sich und legen eine rituelle Prüfung ab. Die Mädchen müssen vier Tage im Wald verbringen und die Jungen durchqueren in drei Tagesreisen die Prärie. Für die Jugendlichen ist das eine harte, Kräfte zehrende Zeit, die viele Gefahren birgt. Ein Jungen kehrt aus der Prärie nicht mehr zurück. Doch Wolkenauge sagt voraus, dass er aus der Richtung kommt, wo die Sonne untergeht und er sagt die Wahrheit. Wolkenauge studiert wie kein anderes Kind die Schwingungen in der Natur, die Töne, die Veränderungen, die Bewegungen. Sein Vater ist stolz auf ihn und auch die Großmutter beginnt langsam die Fähigkeiten ihres Enkels zu erkennen.

Neun Jahre sind seit seiner Geburt vergangen. Wolkenauge kann Dutzende Nacht- und Tagvögel nachahmen, er lässt sich im Wasser treiben und lockt so die Fische an, er erkennt jeden im Lager und anhand des Klanges seiner Schritte auch seine Stimmungslage. Was andere mit weit geöffneten Augen nicht sehen können, Wolkenauge erspürt es.
Klaglos leben die Indianer mit der Natur im Einklang bis die ";Ungeheuer" in ihr Leben treten - Bleichgesichter auf Pferden, die die Bisons mit Gewehren jagen und sinnlos viele Tiere nur der Felle wegen töten. Die Crow fühlen sich bedroht und sie verstehen nicht, warum die fremden Menschen rücksichtslos, ohne Achtung den Tieren Schmerzen zufügen. Die Crow jagen nur soviel sie benötigen, sie achten darauf, dass die Tiere schnell sterben und sie schließen den toten Bisons aus Respekt die Augen.

Krieg und Tod liegt in der Luft. Als die Indianer vom Stamm der Piegan und der Lakota ebenfalls die Todbringer beobachten, entwenden sie ihnen ihre Waffen, die Donnerspeere und Donnermesser. Sie können nichts mit den Geschossen anfangen. Die Crow bringen eine Axt in ihren Besitz. Wolkenauge rät, den Bleichgesichtern ihre Macht zu nehmen. ";Wir müssen ihre Tiere und ihre Waffen stehlen." Die Indianer schrecken davor zurück, denn sie fürchten sich vor den Pferden. Beim nächsten Tauschgeschäft wollen die Tonkawa alles für die entwendete Axt, die alles spalten kann, geben. Die Crow lehnen ab. Das Unheil beginnt, denn drei Männer der Tonkawa versuchen die Axt zu stehlen und töten zwei Stammesmitglieder der Crow. Wolkenauge hatte sie gehört. Die Verfolgungsjagd beginnt und die Tonkawa werden zur Rechenschaft gezogen.
Wolkenauge spürt, dass er handeln muss, um die Eindringlinge zu vertreiben. Immerhin haben die Bleichgesichter den Totempfahl der Crow geschändet. Niemand hört auf Wolkenauge. Alle fürchten sich, obwohl ein Indianer das nie zugeben dürfte.

Der blinde Junge macht sich allein auf den Weg zu den Pferden der Bleichgesichter. Die Crow folgen ihm und sehen mit Erstaunen, wie geschickt Wolkenauge sich den Pferden nähert und sie fast lautlos mit sich führen kann.
Die Crow hoffen nun auf den Abzug der Todbringer, auf eine ruhige Zeit inmitten der Natur und in ihren Jagdgründen.

Wir wissen, dass die Indianer sich einer Illusion hingeben, denn der Weiße Mann wird sich gnadenlos all ihr Land aneignen.

Heute sind die Helden vieler Jungen in Zauber-, Fantasy- , Ritter- und Piratenwelten oder intergalaktischen Regionen zu finden. Das Leben der Indianer spielt für Kinder heute kaum noch eine Rolle. Exotisch muten die Rituale, die Naturverbundenheit, die prosaische Sprache der Indianer an, kaum einordbar in unsere so auf Technik orientierte Welt.

Der spanische Autor Ricardo Gómez belebt mit seinem gefühlvoll geschriebenen Indianerbuch ";Wolkenauge" dieses vergessene wie verlorene Kapitel. Er führt den Leser in eine Zeit, ohne sich genau festzulegen, in der die Indianer noch keine Pferde kannten. Zwar hatten die spanischen Eroberer einst Pferde auf dem neuen Kontinent angesiedelt, aber sie waren bereits seit Generationen verschwunden.
In kurzen Kapiteln ( 29 ½ Kapitel - so viele, wie der Mond Tage braucht, um wieder voll zu werden, Mondmonate, die Zeiteinheit der Crow) beschreibt er das harte, arbeitssame Leben im Rhythmus der Natur in einem Indianerlager. Er berichtet von der Prärie, dem weiten, fruchtbaren Grasland vieler Indianerstämme, erklärt die Traditionen, die Denkweise und Mythen der Crow und erzählt in einer stillen, klaren Sprache eine Geschichte vom Anderssein. Der blinde Junge wird trotz aller Skepsis seinen Stamm vor den Bleichgesichtern retten. Wolkenauge wird zu einem vollwertigen Mitglied der Gemeinschaft, denn seine Mutter kämpft um ihn und glaubt an ihn. Bald hört Wolkenauge besser als alle und er riecht besser als alle. Und am Ende wird er auch weiter sehen können als alle Sehenden.

Doch Gómez romantisiert das Leben der Indianer nicht, denn er spart nicht die dunklen Seiten der menschlichen Natur aus, wie Habgier oder gar Mord. Als freie Jäger lebten die Indianer in ihrem Land. Der Große Geist hatte es ihnen anvertraut. Sie zollen ihm wie den Tieren Respekt. Immer auf der Fährte der riesigen Bisonherden können die Crow den rücksichtslosen Umgang der Bleichgesichter mit der Natur nicht verstehen. Eine Stimmung des Untergangs schleicht sich in die Geschichte ein. Die Todbringer mit ihren unberechenbaren Waffen brechen in die Welt der Ureinwohner Amerikas ein, sie werden ihre Bisons töten und ihnen das Land nehmen.

Ricardo Gómez erzählt keinen historischen Roman. Ohne den Leser zu überfordern verbindet der Autor eine aufregende Geschichte mit der Schilderung der Riten und Gebräuche der alten Indianerstämme.

Fazit:

Kein tapferer Krieger steht im Mittelpunkt dieser Indianergeschichte, sondern ein blinder Junge, der mit seinen naturgegebenen Fähigkeiten, seinen Stamm mutig vor großem Unheil bewahren wird. Eine feinfühlige Geschichte für alle, die das Leben der Indianer verstehen wollen.

Karin Hahn

 

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