Couch-Wertung:

89%
Idee
Text

Idee

Eine fesselnde Geschichte über eine verzweifelte Idee, die die Angst vertreiben soll. Kiki ist als Erzählerin und Hauptrolle sympathisch und überaus greifbar. Eine Geschichte mit hohem Erinnerungswert.

Text

Treffend, klug und hintersinnig lässt M. Hof ihre Protagonisitin erzählen und erleben. Einerseits einfühlsam, andererseits kühl und klar schildern ihre Worte den verzweifelten Versuch, das Leben ihres Vaters nach Wahrscheinlichkeiten abzusichern.

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Sep 2008

[ab 11 Jahren]

Kikis Papa ist Arzt. Er geht in die Krisengebiete dieser Welt, um den Menschen vor Ort zu helfen. Kiki aber hat große Angst um ihren Vater und fürchtet sich davor, dass er eines Tages nicht mehr zurückkehren könnte...

Dabei stellt sich die Zehnjährige allerlei Gefahren vor, wie zum Beispiel eine verirrte Kugel, die ihren Vater trifft. Ihr Vater beschwichtigt das Mädchen und erzählt ihr wieder und wieder die Geschichte von dem ängstlichen Mann, der nie aus dem Haus gehen wollte und letztlich von seinem Haus, in dem er sich so sicher glaubte, erschlagen wurde. Kiki kann die Geschichte nicht leiden und sie findet, dass man die Wahrscheinlichkeit dass einem etwas passiert, durch den Aufenthalt in einem Krisengebiet doch nur vergrössert.

In Kikis Kopf macht sich von nun an ein Gedanke breit, ein vermeintlicher Ansatz, um dem Schicksal ins Handwerk zu pfuschen. Sie denkt viel über die Wahrscheinlichkeiten im Leben nach und findet heraus, dass es zum Beispiel in ihrer Klasse kein Mädchen gibt, dass ihren Hund und ihren Vater verloren hat - und am allerwenigsten: Ein Mädchen, dass ihre Maus, ihren Hund und ihren Vater verloren hat. Kiki wünscht sich nach der Abreise ihres Vaters eine Maus und ihre Mutter willigt ein. In der Zoohandlung wählt sie eine der vielen kleinen weissen Mäuse aus und nennt sie ";Piep".

Noch einmal spricht sie mit ihrem Vater, der sich telefonisch meldet; er verspricht am Dienstag wieder anzurufen. Doch der Anruf bleibt aus. Kiki wird unruhig. Als aber auch an den darauffolgenden Tagen kein Lebenszeichen von ihm eintrifft, entschliesst sich Kiki dazu, dass sie die Wahrscheinlichkeit, ihrem Vater könne etwas passiert sein, ein wenig verringern muss. Doch die Maus Piep kann sie nicht töten.

Sie geht in die Zoohandlung und fragt nach einer kranken Maus, die bald sterben wird. Der Verkäufer ist skeptisch, lässt sich aber durch ein vorgeschobenes Schulprojekt auf den Handel ein. Die kleine Maus, die kaum ein paar Stunden alt ist, schafft es nicht und stirbt. Kiki beerdigt die Maus mit ihrer Freundin Marie im Garten. ";Ich traute mich nicht zu erzählen, dass ich froh war. Froh, dass ich nun ein Mädchen mit einer toten Maus war. Es gab jede Menge Mädchen mit toten Mäusen. Aber es gab wenige Mädchen mit einer toten Maus und einem toten Vater. Ich hatte die Wahrscheinlichkeit etwas kleiner gemacht."

Doch auch in den folgenden Tagen kommt kein erlösender Anruf von Kikis Vater. Auch Kikis Mutter kann ihre wachsende Angst nicht mehr verbergen. Sie verbietet allen Verwandten und Freunden - besonders ihrer Schwiegermutter - anzurufen, um sich nach dem Stand der Dinge zu erkundigen. Dann erfährt Kiki von ihrer Mutter, dass ihr Vater im Krisengebiet, nahe der Front, vermisst wird.

Kiki bekommt Albträume, schläft bei ihrer Mutter - ihrer beider Zeit scheint aus den Fugen zu geraten. Noch einmal geht sie in die Zoohandlung. Sie berichtet von dem ";schönen Tod" der Maus und fragt sogleich nach einem Hund. Doch Hunde, so der Junge hinter der Theke, verkaufen sie nicht. Kiki macht deutlich, dass sie keinen jungen Hund wolle, sie wolle einen alten, misslungenen Hund. Der Junge ist nun verärgert und Kiki kann ihm beim besten Willen nicht erklären, wofür sie einen ";misslungenen" Hund braucht. Kiki will von ihrer Mutter nun alles über das Verschwinden ihres Vaters wissen, sie sehen sich das Gebiet auf einer Landkarte an. In Kiki reift die Überzeugung, dass nun ein toter Hund her muss. Sie denkt über fünf verschiedene Arten nach, einen Hund zu töten, doch Mona kann sie für ihren Plan nicht opfern - das bringt sie, obwohl sie den alten Hund mit anhaltenden Blähungen nicht besonders schätzt, nicht übers Herz.

Eine quälende Zeit beginnt für Kiki in der auch Marie, ihre beste Freundin, in ihrer unbeholfenen Art wahrlich keine Hilfe ist. Und ihre Oma, die Mutter ihres Vaters, schon gar nicht. Und Kiki fragt sich, ob Marie Recht hat, ist ihr Papa ein Held? Doch Oma findet das alles Blödsinn und hält ihren Sohn nur für einen abenteuersüchtigen und rücksichtslosen Menschen. Alle Personen um sie herum sind ausgerechnet jetzt mit sich und ihrer eigenen Angst beschäftigt. Als sogar in den Radio-Nachrichten über das Verschwinden ihres Vaters berichtet wird und ";um seine Sicherheit gefürchtet wird", erkträgt Kiki, die noch dazu allein zu Hause ist, diesen Druck nicht länger und entschliesst sich, zu einer fatalen Verzweiflungstat, die die ahnungslose Hündin Mona in höchste Gefahr bringt...

";Tote Maus für Papas Leben" ist Marjolijn Hofs erstes Jugendbuch, für das sie zahlreiche Auszeichnungen erhielt, u.a. auch den niederländischen Kinder -und Jugendliteraturpreis, den ";Goldenen Griffel".

Sehr treffend, klug und oftmals hintersinnig lässt Marjolijn Hof ihre Protagonisitin erzählen und erleben. Einerseits einfühlsam, andererseits analytisch klar, schildern ihre Worte den verzweifelten Versuch, das Leben des Vaters nach Wahrscheinlichkeiten abzusichern. Marjolijn Hof lässt Kiki auf eine Weise von ihren Gefühlen der Angst sprechen, dass sich Kinder in ihrer Gedankenwelt wiederfinden.

Marjolijn Hof erspürt dabei sehr genau, was in Kindern vorgeht, wenn sie sich mit derartigen Grenzsituationen konfrontiert sehen. Wie auch Kiki versuchen sie oftmals einen Weg zu finden, um mit ihrer lähmenden Ohnmacht umzugehen; sie wollen, sie müssen etwas tun. Dass Kikis Gedanken und ihr Wunsch, ein Tier möge sterben, damit es die Wahrscheinlichkeit minimiert, es könne ihren Vater treffen, nicht gut sind, weiss Kiki selbst. Und genau dieses schlechte Gewissen macht es für sie auch so unmöglich, mit irgendjemandem über ihre Idee zu sprechen.

Als Kiki die Realität endgültig aus den Augen verliert, stellt das den wohl spannungsgeladensten Moment der Geschichte dar - unglaublich mitreissend und dicht erzählt, werden wir Zeugen einer haarsträubend knappen Situation, die uns Kikis Zustand überdeutlich werden lässt. In allerletzter Sekunde kann Kiki davor bewahrt werden, einen folgenschweren Fehler zu begehen. Ein ganz schön starker Tobak, den uns Marjolijn Hof da beschert und ganz sicher nichts für Sensible. Denn trotz ihrer vorsichtigen Annäherung, verschont sie ihre Leser am Ende keinesfalls vor den Folgen, die aus Kikis wahnwitziger Idee erwachsen können.

Trotz Marjolijn Hofs eindrucksvoller Sprache, die nahe bei den Kindern und aus Sicht von Kiki erzählt, wunderbar klug in ihren Schlussfolgerungen ist, würde ich empfehlen ";Tote Maus für Papas Leben" mit Kindern unter 12 Jahren gemeinsam zu lesen, damit eine adäquate Begleitung gewährleistet ist.

Versöhnlich und erleichternd ist das Ende von Marjolijn Hofs Geschichte: Sehr souverän bringt die Autorin das Geschehen wieder in ruhigeres Fahrwasser und kann die Beklommenheit, sowohl bei der Protagonisitin als auch beim Leser, auflösen. Sie beschert uns ein realistisches ";Beinahe-Happy-End", indem sie Kiki, die vor sich selbst erschrocken ist, den einzig richtigen Weg gehen lässt. Kiki vertraut sich endlich ihrer Mutter an und wird von da an in dem sicheren Wissen gehalten, dass sie in ihren Ängsten verstanden wird, ihre ";fixe Idee" aber keinerlei Hilfe darstellen kann. Kiki versteht, dass sie in ihrer Verzweiflung Dinge gedacht und getan hat, die sie sonst nie denken oder tun würde. Sie kann sich mit Hilfe ihrer Mutter nun auch selbst verzeihen. Und die alte Hundedame Mona kann es sowieso.

Als der Vater endlich zurückkehrt, ist er schwer verletzt. Die kleine Famillie sieht sich mit vielem konfrontiert, das sie dazu zwingt, ihr bisheriges Leben zu ändern. Doch das Glück, dass sie einander wiederhaben, überwiegt am Ende ganz deutlich und ermahnt jeden einzelnen mehr Verantwortung zu übernehmen.

Fazit:

Marjolijn Hofs ";Tote Maus für Papas Leben", obschon so leicht und einfühlsam erzählt, ist sicher keine leichte Kost für Kinder. Die nervenaufreibende Zuspitzung der Ereignisse erwischt wohl so manchen ganz unerwartet und macht es damit zu einem Buch, das noch lange nachklingt.

Stefanie Eckmann-Schmechta

 

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Letzte Kommentare:
01.05.2019 11:43:15
Mette

ich fand dieses Buch teilweise etwas verstörend doch die Angst wurde sehr gut und naheliegend beschriebe. Ich hätte mir noch mehr Spannung gewünscht.