Couch-Wertung:

85%
Idee
Bilder
Text

Idee

sechs arme, schreckliche Kinder gegen den Rest der Welt, erzählt aus der Sicht der braven Lisa, die immer zwischen Abscheu und Bewunderung hin und her schwankt

Bilder

Kürbisse, Fledermäuse, Spinnen u.a., nicht sonderlich originell, wobei Illustrationen gar nicht notwendig sind, denn die Herdmanns sprengen sowieso jedes Bild

Text

ein Feuerwerk an spritzigen Einfällen, immer schnell mit trockenem Humor auf den Punkt geschrieben

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Okt 2008

[ab 9 Jahren]

Sechs Kinder tyrannisieren rund um die Uhr einen sittsamen amerikanischen Ort. Sie klauen, sie prügeln, sie legen Feuer und sie lassen gerne etwas explodieren. Niemand ist vor den schrecklichen Herdmanns sicher und am schlimmsten ist es jedes Jahr zu Halloween. Ihren Mitschülern nehmen die Herdmanns ohne mit der Wimper zu zucken, die ergatterten Süßigkeiten ab und veranstalten regelmäßig Chaos. Das muss endlich ein Ende haben, beschließen der Bürgermeister und der Schuldirektor. Sie denken sich etwas aus und begehen einen großen Fehler.

Bereits im Erfolgsbuch ";Hilfe, die Herdmanns kommen" erzählt Lisa von den Herdmann-Kindern und ihrer ganz eigene Interpretation der Weihnachtsgeschichte. Sie geht mit Eugenia Herdmann in eine Klasse und das ist wahrlich kein Vergnügen. Vater Herdmann, das wissen wir aus dem ersten Buch, ist irgendwann auf einen Zug gestiegen und nie wieder gekommen. Mutter Herdmann geht arbeiten und macht so viele Überstunden wie möglich, damit sie nicht viel Zeit mit Ralph, Eugenia, Leopold, Klaus, Olli und Hedwig verbringen muss. Die sechs Kinder verteilen sich gleichmäßig auf die Klassen der örtlichen Schule und machen allen anderen das Leben schwer. Es gibt keinen Tag, an dem es nicht irgendwo knallt oder jemand zu Schaden kommt. Nur die Herdmanns schaffen es, sich mit Kindern in der Drehtür der Bank so fest einzuklemmen, dass sie nur mit Hilfe mehrerer Handwerker freikommen. Dabei wünschen sich alle im Ort, die Herdmanns irgendwo für immer anzuketten oder wegzusperren. Nur die Herdmanns schließen Geschäfte ab, die im Chaos enden. Die neueste Kreation in der Pizzeria, Pizza mit Sardinen, endet mit einem lebenden Belag, bestehend aus zappligen Guppys. Schuld sind die Herdmanns, wer sonst? Aber am schlimmsten ist es am 31. Oktober. Die Herdmanns haben einen tollen Abend, denn alles was nicht niet- und nagelfest ist, landet in ihren Taschen. Auf Kostüme verzichten die Herdmanns, sie bedanken sich nicht für die Süßigkeiten bei der Süßes und Saures-Tour, sie nehmen sich einfach alles. Dann klauen sie noch die Halloween-Torte und lassen alle Hunde und Katzen im Tierheim frei. Wo die Herdmanns sind, bleibt kein Auge trocken - allerdings nicht vor Freude, sondern vor Schmerz und Ärger. So beschließt der Bürgermeister, dass Halloween, um möglichen Sachschäden vorzubeugen, in diesem Jahr ausfällt.

Die Kinder sind enttäuscht, keine Touren um die Häuser, keine Kostüme, keine Süßigkeiten. Herr Zwackbaum, der Direktor der Schule, verkündet dann aber, dass Halloween in diesem Jahr - ohne Süßigkeiten - aber mit Feier doch in der Schule stattfinden soll. Die Freude hält sich in Grenzen, denn die Herdmanns werden sicher wieder allen die Freude verderben. Wie Lehrer nun mal sind, müssen sie gleich zum Thema Halloween Hausaufgaben verteilen. Den Herdmanns ist das egal, sie machen ja sowieso nie welche. Jeder überlegt sich nun, welches originelle Kostüm er tragen soll, denn ein Wettbewerb kürt das schönste. Lisas Mutter arbeitet im Elternbeirat mit und muss letztendlich als Hexe gehen, was ihrer Tochter ziemlich peinlich ist.

Alice, die Streberin der Klasse, kommt auf die geniale Idee, sich als Weihnachtsbaum mit Beleuchtung zu verkleiden. Auf die harmlose Frage an die Herdmanns, welche Köstüme sie denn so tragen werden, erfahren die Mitschüler, dass die Herdmann-Kinder, die immer in Gruppen auftreten, nicht die geringste Lust haben an einer Halloweenfeier teilzunehmen, die in der Schule stattfindet und wo die Geister die Lehrer sind. Außerdem pfeifen sie auf die Ideen des langweiligen Elternbeirats und kommen natürlich nicht, wenn es nicht mal Süßigkeiten gibt. Alle atmen auf, endlich eine Party ohne die Herdmanns. Allerdings hält der Bürgermeister sein Versprechen und es gibt im ganzen Ort auch keine Süßigkeiten zu kaufen, dass bekümmert Charlie, Lisas Bruder sehr. Ein herdmannfreies, wohlbehütetes Halloween unter Aufsicht der Lehrer und Eltern können sich nur die wenigsten vorstellen. Als Eugenia die Freude der anderen über die Abwesenheit der Herdmanns mitbekommt, ahnen Lisa und Charlie, dass es vielleicht doch nicht so friedlich werden wird. Zumal Eugenia angekündigt hatte, dass am 31.10. jeder Ort sicherer sein wird als die Woodrow-Wilson-Schule. Alle sind mit den Vorbereitungen und der Deko beschäftigt. Der Halloweenabend naht und die Kinder trudeln in der Schule ein. Alice taucht in ihrem Weihnachtsbaumkostüm auf, Charlie und Kevin kommen als Vorder- und Rückteil eines Löwen, es tummeln sich Landstreicher, Hexen, laufende Stehlampen, Pilgerfrauen, Comicfiguren und Filmhelden in der geschmückten Schule. Aber so richtig gute Stimmung will einfach nicht aufkommen. Das ist kein richtiges Halloween und die Herdmanns fehlen den anderen irgendwie auch, was natürlich niemand zugeben würde.

Doch dann steckt Alice für ihr Weihnachtsbaumkostüm den Stecker in die Steckdose
und das Licht in der gesamten Schule geht aus. Absolute Panik bricht aus!
Vorher hat Lisa die ausgebeulte Hose ihres Vaters an der Vogelscheuche bemerkt und die hat sich auch noch bewegt, doch ihr Vater steckte nicht drin. Ein geklauter Pelzmantel läuft in der Schule herum und darin kann nur ein Herdmann stecken. Und dann stellt der Direktor fest, dass eine ganze Reihe von Schülern vermisst wird. Sehr merkwürdig und äußerst gruselig, denn niemand sieht mehr die Hand vor Augen. Doch was nun kommen soll, hat natürlich mit den Herdmanns zu tun, die auch noch die große Rutsche aus dem Vorgarten geklaut haben. Was hinter dem Spuk steckt, sei nicht verraten, aber es dreht sich dabei - und das ist für die Herdmanns sehr untypisch - eher um Süßes als Saures.

Barbara Robinson (Jahrgang 1927) hat mit ";Hilfe, die Herdmanns kommen" (1972 veröffentlicht) ein Kinderbuch mit Kultstatus geschrieben. Noch nie hat es ein witzigeres, oder tiefsinnigeres Buch über ";die schlimmsten Kinder aller Zeiten", die Geburt Jesus und das alljährliche Krippenspiel in der Kirche gegeben.

Das kann die amerikanische Autorin leider mit dem Nachfolger ";Achtung, die Herdmanns sind zurück" nicht toppen. Auch wenn die rasante Handlung mit einem Feuerwerk an komischen Einfällen aller möglichen kreativen Streiche der Herdmanns startet, fehlt die zündende Grundidee für die neue Geschichte. Trotzdem liest man das Buch in einem Zug, denn viele Gags sind wirklich komisch. So wird Charlie von Leopold Herdmann an die Garderobentür tapeziert, damit er beim Elternabend aus der Tür springen kann. Zum Glück entdeckt die Lehrerin die Beule in der Tür und den mit Tapetenkleister von oben bis unten beschmierten Jungen. Charlies Mutter findet das gar nicht lustig.

Die Herdmanns sind völlig entfesselt, sie kennen keine Regeln, nehmen sich, was sie wollen und verbreiten nur Angst und Schrecken. Ihre Armut stört sie nicht im geringsten, auch wenn alle behaupten, die Herdmanns benötigen keine Kostüme zu Halloween, denn sie sehen das ganze Jahr über wie Halloween aus. Mitleid hat niemand mit den Herdmanns und das würde sie auch maßlos erzürnen.

Die Ohnmacht, auch der Erwachsenen, gegen die sechs kleinen Monster wirkt zum einen lächerlich, zum anderen aber auch sehr witzig, denn aller Unsinn, den die Kinder verzapfen, ist auch eine Rebellion gegen sture, gesellschaftliche Regeln und blinden Gehorsamkeit. Die sechs Kinder stellen alles in Frage. Verblüffend, wie eine Gruppe Kinder ein ganzes wohl geordnetes Gefüge sprengen kann. Wie penetrant andererseits die angepassten Kinder sein können, deren Eltern etwas im Ort darstellen, zeigt die Autorin am Beispiel Alice, die sich immer wünscht im Mittelpunkt zu stehen und zu glänzen. Auch wenn die Herdmanns nicht gerade sympathisch sind, verzichten möchte niemand auf diese verrückte Truppe.

Fazit:

Max und Moritz würden sich mit den Herdmann-Kindern bestens verstehen, denn in diesem Buch finden sich äußerst originelle Anregungen für neue Streiche. Ein herdmannfrohes Halloween ohne die sechs muss schief laufen und kann einfach nur langweilig werden. Wie die Herdmanns das organisierte Schulfest aufmischen, dass sollte man nicht nur im Oktober auf jeden Fall gelesen haben.

Karin Hahn

 

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