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Idee

eine sehr sanfte Geschichte über einen Jungen, der lernt, mit dem Tod umzugehen. Gert Scobel nimmt Kinder in ihren Gefühlen der Trauer ernst.

Bilder

klare und gefühlvolle Illustrationen. Die Bleistiftzeichnungen strahlen eine gewisse Kühle und Distanz aus, sehr stimmig für das gefühlsbetonte Thema. Durch intensive Rotakzente wird ein warmer Ankerpunkt der Hoffnung erzeugt.

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Die Sprache ist klar und dennoch von einer so schönen und schlichten Poesie, dass Kinder die hier dargestellten Gefühle und Bilder gut nachempfinden können.

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Dez 2008

Niklas erinnert sich, wie es mit Lola war. Wie schön waren ihre gemeinsamen Spaziergänge. Doch seit seine Hündin gestoben ist, sieht Niklas die Welt mit anderen Augen...

Jetzt, da Lola nicht mehr da ist, spürt Niklas die Kälte, die Feuchtigkeit und die drückenden Schuhe.
Und die Hunde, die er auf seinen ziellosen Streifzügen durch die Nachbarschaft sieht, alte Freunde von Lola, erinnern ihn umso schmerzhafter an seine treue Freundin. Natürlich war seine Hündin alt und krank. Dennoch, es gibt keinen Trost für ihn, nicht seine verständnisvolle Mutter, die ihm jetzt vieles nachsieht und ihm sein Lieblingsessen kocht, noch seine Freunde, mit denen er im Schnee rodelt.

Niklas´ Welt ist leerer und kälter geworden. Immer wieder denkt er an den Satz seiner Lehrerin : ";Man sieht die Schönheit der Dinge immer erst, wenn sie weit weg oder verschwunden sind."

Doch eines Tages, als Niklas vom Spielen mit seinen Freunden heimkehrt, fällt ihm zum ersten Mal ein alter Mann auf, der in der Kälte auf einer Bank sitzt. Niklas grüsst den alten Mann; der freut sich, grüsst zurück. Bald wird diese Begegnung zum täglichen Ritual der beiden, bis Niklas sich eines Tages zu dem Mann setzt und beginnt, mit ihm zu reden.

Niklas ist verwundert, dass der alte Mann die ganze Zeit nur so da sitzt und schweigt. ";Ich sitze einfach nur da. So wie du jetzt. Und manchmal träume ich auch so vor mich hin." Mit der Zeit reden sie regelmässig miteinander und verabschieden sich schließlich mit den Worten ";Dann bis morgen." Niklas erfährt, dass der alte Mann, der Johannes heisst, die Welt um ihn herum schon lange beobachtet, auch das, was Niklas so tut. Niklas ist überrascht und dennoch berührt. Johannes erzählt schliesslich von seiner Frau ";Martha", die gestorben ist. Beide erzählen sich von ihrer Zeit mit ihren Lieben. Johannes von den manchmal schwierigen Zeiten, in denen Martha und er immer zusammengehalten haben. Über all die Jahre hinweg hat Johannes seine Martha geliebt. Niklas erzählt schließlich von seiner Lola, wie er gern er sie gehabt hat und wie alles, was vorher schön war, nun seinen Glanz verloren hat.

Es entsteht ein ruhiger und bedächtiger Dialog, der Niklas einen Weg eröffnet, über seine Trauer zu reden. Mit einem Menschen, der seinen Schmerz gut kennt. Gemeinsam finden sie Wege aus ihrer Einsamkeit und entdecken neue Betrachtungsweisen. Es ";bekommt eine schönere Ordnung" sagt Niklas zu seiner Mutter und versucht gemeinsam mit Johannes das zu verstehen, was so schwer zu verstehen ist. Niklas hat für einen kurzen Moment, im Frühjahr, als die Natur wieder zu neuem Leben erwacht und er unter dem aufgehenden Mond mit Johannes auf ihrer Bank sitzt, ein neues Gefühl. ";Das Gefühl, wenn das Unendliche und das Endliche zusammentreffen".

Gert Scobel, der vielfach ausgezeichnete Autor von TV-Dokumentationen und Anchorman verschiedener TV-Kultur-Magazine, erzählt mit seinem zweiten Kinderbuch eine sehr sanfte Geschichte über den Jungen Niklas, der lernt mit dem Tod seiner geliebten Hündin umzugehen. Als diplomierter Theologe hat Gert Scobel sich auch und besonders im Medienbereich viel mit dem Thema Ethik und Philosophie beschäftigt - nicht zuletzt auch als Moderator des ZDF-Magazins ";sonntags-TV fürs Leben". Dieser Hintergrund ist seinem Kinderbuch ";Wie Niklas ins Herz der Welt geriet" deutlich anzumerken. Inspiriert von der japanischen Philosophie, gelingt es Gert Scobel genau jenes Gefühl einzufangen, das uns den tieferen Sinn, unseren Platz in dieser Welt erahnen lässt. Diese Ahnung ist flüchtig; ebenso, wie der magische Moment, den die beiden, Johannes und Niklas, an diesem ersten Frühlingsabend auf ihrer Bank erleben. Und doch kann ein solcher Moment unseren Blick auf die Welt verändern. Niklas sieht die Schönheit der Dinge wieder - gerade die Schönheit des Vergänglichen inmitten der Unendlichkeit, die sie umgibt. Niklas empfndet wohl in diesem Moment Demut, Dankbarkeit und auch ein Gefühl der Geborgenheit, als er sich eins mit der Welt fühlt - und in ihr Herz gerät.

Gert Scobel versucht sich in seiner sanften und einfühlsamen Geschichte gerade nicht in gutgemeinten Beschwichtigungen oder tröstlichen Allgemeinplätzen; er nimmt Kinder in ihren Gefühlen der Trauer ernst und stellt auch die Erwachsenen nicht minder schutz- und ratlos dar. Er zeigt, dass es nicht ";den" Weg zur Trauerbewältigung gibt und dieser auch lang sein kann, bis das Herz wieder offen für das Leben ist.

Seine Sprache ist klar und dennoch von einer so schönen und schlichten Poesie, dass Kinder die hier dargestellten Gefühle und Bilder gut nachempfinden können und möchten. Ebenso klar und gefühlvoll sind die Illustrationen der japanischen Künstlerin Ayano Imai. Ihre Bleistiftzeichnungen strahlen eine gewisse Kühle und Distanz aus, die sehr stimmig an das ernste gefühlsbetonte Thema angelehnt sind.
Mal fein, mal kräftiger schraffiert, entstehen zarte und dichtere graue Flächen, die sich vor dem weißen Hintergrund deutlich abheben.
Die so durchaus trist und traurig anmutende Stimmung fängt die in Japan lebende Illustratorin jedoch durch intensive rote Farbakzente ganz bewusst auf. Ein roter Schal oder rote Knöpfe, rote Wangen oder Blütenblätter - sie sind wie ein warmer Ankerpunkt und Hoffnungsschimmer zugleich und lassen einen beinahe nachdenklich stimmenden Kontrast entstehen.
Die sanfte Mimik von Lola lässt uns dabei ebenso wenig kalt und zeigt auch hier die emotionale Bedeutung des Verlustes.

Fazit:

Mit ";Wie Niklas ins Herz der Welt geriet" fängt Gert Scobel ganz wunderbar das seltene Gefühl des ";Eingestimmtseins" ein und zeigt damit einen möglichen Weg, die Schönheit der Welt wiederzuentdecken. Ein wunderschönes, wahres und stilles Buch über die Trauer und das Leben danach; ein Buch, das bei vielen sicherlich noch lange nachklingt.

Stefanie Eckmann-Schmechta

 

Wie Niklas ins Herz der Welt geriet

Wie Niklas ins Herz der Welt geriet

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