Timmi und der Weihnachtsmann

Erschienen: Dezember 2008

Couch-Wertung:

88%
Idee
Bilder
Text

Idee

alltagstaugliche und überzeugende Geschichte vom Älter werden, realistische Jungenfigur, die neue Erfahrungen macht

Bilder

farbige Bilder karikieren die Geschichte auf liebenswerte Weise

Text

literarisch einfach geschriebener Text für Leseanfänger in 24 Kapiteln

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Dez 2008

Kinderbuch des Monats [12.2008]. Timmi lebt in einer Patchworkfamilie. Seine Mutter ist gestorben, aber immer wieder findet der Junge Federn, die ihn an seine Schutzengel-Mama erinnern. Sie wacht über ihn, davon ist er fest überzeugt. Doch kaum in der Schule, schon bröckeln viele Illusionen, zum Beispiel die über den Weihnachtsmann - gibt es ihn nun oder gibt es ihn nicht?

Paul hat gesagt, den Weihnachtsmann haben die Eltern erfunden, damit sie die Kinder erpressen können. Letztendlich kaufen Mama oder Papa die Weihnachtsgeschenke. Timmi Weferling ist frustriert. Wenn das so ist, warum soll er dann seine Wünsche malen oder gar aufschreiben, zumal er die wichtigsten Worte wie Mountainbike oder Playstation in der 1. Klasse noch gar nicht schreiben kann. Ja, wer ist denn nun der Weihnachtsmann? Papa ist immer da, wenn es am Heiligabend an die Tür klopft. Timmi konzentriert sich erstmal auf seine Klasse und das Wichteln. Zum Glück hat er Akilahs Namen gezogen, auch wenn er ein bisschen rumtricksen musste. Er mag das Mädchen mit der dunklen Haut und den herrlichen weißen Zähnen aus Afrika. Aber das soll sein Geheimnis bleiben und die schöne Kette, die er ihr schenken möchte. Doch dann enthüllt sich ihm beim Lauschen am Abend ein ganz anderes Geheimnis. Papa fragt Mama, ob sie den Weihnachtsmann angerufen habe. Doch beim Gespräch kam heraus, dass er nur gegen 17 Uhr kommen kann, weil er seine Freundin abholen muss. Das ist Mama für die Bescherung zu früh. Timmi wendet sich an Nele, seine ältere Schwester. Doch eigentlich ist sie nicht mal seine Halbschwester, denn Papa hat ja wieder neu geheiratet und seine jetzige Mama hat Nele mit in die Ehe gebracht. Nele jedenfalls erzählt Timmi irgendetwas von einer Frau, die der Weihnachtsmann hat und bemerkt, dass sie Timmi nicht mehr an der Nase herumführen kann. Sie gibt zu, dass der Weihnachtsmann gar nicht existiert. Timmi ist sauer, denn alle haben ihn immer belogen.

Gibt es nun keinen Gott, kein Jesuskind und vor allem keine Engel? Immer wieder findet Timmi Federn, die er sammelt und die ihn an die verstorbene Mutter erinnern. An den Adventssonntagen bemerkt Timmi aber auch wie gemütlich und harmonisch das gemeinsame Singen ist. Dann endlich beginnt die Weihnachtsfeier in der Schule. Wie Akilah ihr Geschenk von Timmi auspackt, kann der Junge nicht sehen. Sein eigenes Wichtelgeschenk ist ebenfalls eine Enttäuschung. Timmi schwankt immer wieder zwischen seinen Gefühlen hin und her. Einerseits möchte er schon der Große sein und total cool, aber andererseits ist es auch schön ein kleiner Junge zu sein. Auf dem Weihnachtsmarkt hat er jedenfalls keine Lust auf das Babykarussell und auf die tröstenden Worte des Weihnachtsmannes schon gar nicht. Die Zeiten sind vorbei. Timmi ist geknickt, auch wenn Akilah sich so lieb für ihr Geschenk bedankt. Aber wieder schwankt die Stimmung, denn Akilah behauptet, das wisse sie von ihrem Vater, der den Weihnachtskram sowieso ablehnt, dass es keine Engel gibt. Das kann Timmi so gar nicht akzeptieren.

Der letzte Adventssonntag bricht an und Familie Kithonga ist zu Besuch. Timmi hat extra sein Zimmer für Akilah aufgeräumt. Wieder beginnt die Diskussion über die Schutzengel und die Federn, die doch eigentlich von Tauben sind. Akilah bemerkt, wie wichtig das alles für Timmi ist und spürt, dass sie einlenken muss, um ihm seinen Glauben zu lassen. Am Weihnachtstag gehen dann alle gemeinsam Rodeln. Dabei geschieht ein Unglück und Jannek verletzt sich. Timmi wäre bei dem Sturz beinahe mit dem Kopf auf einen Stein geschlagen. Eine Feder liegt auf diesem Stein.

Die Bescherung verläuft für Timmi wunschgerecht und doch ist er ein bisschen enttäuscht. Ohne Weihnachtsmann ist es wie eine Abschied von einem liebgewordenen Ritual. Dann klingelt es an der Tür. Timmi öffnet und der Weihnachtsmann steht mit einer Feder in der Hand vor der Tür. Er bringt Grüße von der Schutzengel-Mama und bittet Timmi, immer an sie zu glauben und nichts zu vergessen, auch wenn er langsam groß wird.

In 24 Kapiteln erzählt Sabine Neuffer ihre einfühlsame Geschichte über den behüteten Timmi. Zum einen wird der Junge größer und verständiger, zum anderen jedoch verschwindet mit dem Älter werden auch der naive Glaube an den Weihnachtsmann. Die Welt wird größer, komplizierter und undurchschaubarer, ja fast gefährlicher, erinnert man sich die turbulente Schlittenfahrt mit Folgen. Viel wichtiger ist jedoch, dass der Junge seine Mutter nicht vergisst, die er ja nie kennen lernen konnte, denn sie ist bei seiner Geburt gestorben. Sensibel schlägt Sabine Neuffer eine Brücke zwischen den Welten, der realen und der überirdischen. Timmi muss an seine Schutzengel-Mama glauben, ansonsten würde ihm etwas fehlen. Auch diese Erinnerung wird eines Tages entschwinden, doch jetzt ist sie noch wichtig für den Jungen. Wunderbar sind die Passagen, in denen die zusammengewürfelte Familie die Adventszeit in Harmonie zusammen verbringt. Hier vermisst Timmi gar nichts. Wie unterschiedlich die Nikolaus- und Adventsbräuche in den verschiedenen deutschen Regionen sind, verdeutlicht Sabine Neuffer, die aus Hannover stammt, in ihrer Geschichte.

Sabine Neuffers Buch kann vom 1. Dezember an vorgelesen werden. Da die Autorin ihre Geschichte aber in einer gut lesbaren, klaren Sprache, auch die Typographie passt sich Erstlesern an, geschrieben hat, ist es kein Problem dieses Buch Kindern in die Hand zu geben. Die kurzen, gut strukturierte Kapitel helfen beim Verständnis des Gelesenen. Aber die Geschichte gibt auch beim gemeinsamen Lesen die Möglichkeit über viele Fragen, gerade in der Adventszeit, ins Gespräch zu kommen. Isabel Große Holtforth illustriert mit einem zwinkernden Auge diese mal komische und dann wieder auch nachdenklich stimmenden Erzählung. Witzige Mäuse scheinen es ihr besonders angetan zu haben.

Fazit:

Sabine Neuffer hat eine unsentimentale und doch zu Herzen gehende Weihnachtsgeschichte geschrieben, die zum einen den normalen Alltag einfängt und trotzdem noch Platz für ein kleines Weihnachtswunder lässt

Karin Hahn

 

Timmi und der Weihnachtsmann

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