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frohe Kindheit in der Reihenhaus-Siedlung aus der Sicht eines neunjährigen Mädchens, acht Kinder leben ihren unbeschwerten Alltag zwischen Weihnachten und Valentinstag

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Katrin Engelking, die Illustratorin der deutschen Astrid Lingren-Ausgaben, fängt die Atmosphäre der Geschichten liebevoll und zeittypisch ein

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gut lesbare, wirklichkeitsnahe Ereignisse, lebendige Dialoge

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Jan 2009

In der neuen Reihenhaus-Siedlung im Möwenweg wohnen acht Jungen und Mädchen im Alter von drei bis elf Jahren. Sie spielen miteinander, tauschen Geheimnisse aus, beobachten die Erwachsenen, streiten sich und machen ihre eigenen Erfahrungen. Die neunjährige Tara erzählt aus ihrer ganz eigenen Sicht vom Weihnachtsmorgen über die Silvesterparty bis zum Valentinstag, also vom ganz normalen Kinderalltag in einer deutschen Kleinstadt.

Tara wohnt mit ihren Eltern und ihren zwei Geschwistern, Petja (11) und Maus (5) im Möwenweg 5e. Gleich zwei Türen weiter lebt Tieneke (9), ihre beste Freundin. Sie ist ein Einzelkind und hat es zum Beispiel an Weihnachten viel besser, denn unter dem Baum liegen wirklich zu viele Geschenke. Aber Tara ist nicht neidisch auf ihre Freundin, na gut, ein bisschen vielleicht. Taras Eltern müssen das Haus abzahlen und da wird eben gespart, wo es nur geht. Laurin (8) und Vincent (10) sind mit Petja befreundet. Ihre Eltern leben getrennt und so verbringen die Jungen auch viel Zeit beim Vater. Die Geschwister Jul (8) und Fritzi (11) sind mit Tara und Tieneke befreundet. In den letzten beiden Häusern der Reihe wohnen Opa und Oma Kleeberg, die sich über den Kinderseegen freuen und Herr und Frau Voision, die nicht so begeistert sind, zumal die Nachbarskinder oft über ihren Rollrasen hetzen, was sie ziemlich ärgert.

Das Weihnachtsfest ist fast vorbei. Tara berichtet, wie die Kinder sich am ersten Weihnachtstag gegenseitig besuchen, um neugierig zu schauen, was jeder so bekommen hat. Tara freut sich über ihre Geschenke, nur die Unterwäsche findet sie nicht okay, die sollte es einfach mal so geben. Immer wieder kehrt Tara zum Thema Sparsamkeit auf sehr vernünftige Weise zurück. Morgens im Schlafanzug noch rumtrödeln, das ist für Tara wundervoll. Sie liebt ihre neue Wohngegend. „Bei uns ist es am schönsten auf der ganzen Welt." Und ein bisschen heile Welt verströmt diese Straße schon - zumindest für die Kinder. Sie spielen gemeinsam an Weihnachten lustige Brettspiele, die sie für die Weihnachtsgans kurz unterbrechen müssen. „Lustig" ist übrigens eines von Taras Lieblingsworten. Eine Höhepunkt jagt den anderen im Möwenweg.

Für die gemeinsame Silvesterfeier beginnt nun ein reges Treiben. Die Kinder gehen einkaufen, streiten sich und planen den letzten Tag im Jahr. Zwischendurch laufen sie Rummelpott ( ähnelt Halloween ) und verkühlen sich kurzzeitig in ihren dünnen Kostümen. Jede Familie bereitet nun das Fest mit gesunden und weniger gesunden Leckereien vor. Doch dann ruft Petja die alte Bande, die die Kinder schon mal gegründet hatten unter Stillschweigen zusammen, denn ein Meerschweinchen muss gerettet werden. Zum Glück läuft das Kleintier am Rathaus bei einer beherzten Treibjagd und von Chinaböllern angetrieben den Kindern in die Hände. Bei der Knallerei um Mitternacht verrät Tara aus Angst das Versteck des Meerschweinchens Rambo, denn sie ahnt, dass der Knall der Raketen ihm so einen richtigen Schrecken einjagen werden. Nun fürchtet Tara, dass sie das Schweinchen nicht behalten dürfen, denn ihre Eltern wollen kein Haustier. Aber Rambo bleibt in der Obhut der Kinder und wohnt künftig im Garten von Oma und Opa Kleeberg.

Das neue Jahr beginnt. Aufregend wird es nochmal am 6. Dezember bei der Feuerwehr, die die Weihnachtsbäume neben der Müllabfuhr entsorgt. Allerdings zieht Taras Familie die Feuerwehr vor, denn dort gibt es Erbsensuppe und Petja ist als Jungfeuerwehrmann für das Einsammeln der Bäume zuständig. In der Schule gibt es Zeugnisse. Taras Lehrerin Frau Streng, die alles andere als streng ist, beurteilt ihre Schüler liebevoll und gerecht. Aber dann kommt der Valentinstag und helle Aufregung macht sich breit. Wer schickt wem eine Valentinskarte und warum gibt es eigentlich diesen Tag? In Taras Klasse und Familie scheint der 14. Februar, der Tag der Verliebten, besonders wichtig zu sein. Das kam mir beim Lesen komisch vor, denn jeder weiß doch, dass dieser Tag eine Erfindung der englischen Kartenindustrie ist, um das Loch zwischen Weihnachten und Ostern zu stopfen. Oder der Blumenindustrie, wie Taras Mutter feststellt. Für Kinder spielt dieser Tag doch eigentlich gar keine Rolle.) In dieser Geschichte ist allerdings jeder in jeden verliebt und so erhält jedes Kind einen Schwung Valentinskarten und die Welt ist in Ordnung.

Im Möwenweg, der eigenartigerweise immer noch Baustraße ist, wurde bereits alles gemeinsam gefeiert: Weihnachten, Geburtstag, der Sommer und nun ein neues Jahr. Kirsten Boie bleibt sich in ihren Folgebänden treu und setzt ihre Reihe über die Kinder im Möwenweg kontinuierlich im gleichen Stil fort. Da sind die nicht durch Lohnarbeit gestressten, aber trotzdem strapazierten Mütter, die immer zu viel putzen und aufräumen und dann Sachen finden, die sie gar nichts angehen; die Väter, die in ihrer Gutmütigkeit viel schneller Ja sagen als die besorgten Mütter, an denen am Ende doch alle Arbeit hängen bleibt; die Nachbarn, die nur anders sind, weil sie keine Kinder haben.

Die Väter glänzen nicht durch Abwesenheit und beteiligen sich an den Wochenenden an gemeinsamen Familienaktionen. Nur ein Vater wohnt drei Stunden entfernt, aber er ist reich, wie wunderbar. Aus Taras Sicht betrachtet, ist das alles stinknormal. So schaut ihre Kinderwelt aus und warum soll es sie nicht geben, diese Enklave der Gutmenschen und Friedfertigkeit. Ab und zu geht es auch um Unterschiede, aber im Zentrum stehen eigentlich die Gemeinsamkeiten der Bewohner. Die Kinder sind weder überbehütet, noch werden sie emotional vernachlässigt. Sie wissen, wie die Regeln in ihrer Welt sind und wenn nun mal drei Kinder da sind, können die Geschenke nicht großzügig ausfallen. Angesagte Fernsehserien, Computerspiele, Nintendo DS oder gar eine Playstation spielen in der Freizeit, nicht mal im Winter, eine Rolle. Brettspiele, Verkleiden und gemeinsame Aktivitäten, der ganz eigene Spielraum, all das ist für die Freunde wichtig.

Die Umwelteinflüsse, gegen die auch noch so sorgsame Eltern nichts tun können, prallen an dieser Reihenhaus-Siedlung erfolgreich ab. Die Mädchen basteln schön und die Jungen dürfen auch mal laut ihre Musik hören. Es gibt keine bitterernsten Konflikte, die die Kinder austragen müssen. Bei den Kinderspielen sind die Erwachsenen weit außen vor und das erinnert stellenweise an die Bullerbü-Idylle, die man jedem Kind wünscht. Auch die Schule ist ein Hort der Harmonie. Niemand klaut, keiner zerstört bewusst die Sachen des anderen, es wird nicht gemobbt und nicht geprügelt. Tara hat eine Lehrerin, die das friedliche Klima in der Klasse bestimmt und sich für die „armen Kinder in Afrika" einsetzt.

Kirsten Boie muss sich in ihren literarischen Mitteln sehr einschränken, denn Taras Sicht, fast wie in einem Tagebuch festgehalten, bestimmt den einfachen Grundton der Alltagsgeschichten und ist dadurch authentisch. Vieles kann man zwischen den Zeilen lesen, doch Tara hat nicht den scharfen, ironischen, ja fast unschuldsvollen Blick eines kleinen Nick oder anderer literarischer Figuren, die ihre Umwelt doch kritischer in Augenschein nehmen. Ab und zu entweicht ihr mal unfreiwillig eine Ungehörigkeit, z.B. die Kritik an den putzenden Müttern, die Eifersucht auf ihre Freundin Tieneke oder ein Nase rümpfen über die spießigen Voisions. Auch stellt sie ab und zu rhetorische Fragen, die sie gar nicht beantwortet haben will. So versichert sie sich immer wieder ihrer glücklichen Kindheit und das ist sympathisch.

Fazit:

Wer Astrid Lindgren und die Bullerbü - Geschichten mag, der wird auch diese Bücher lieben. In ihrem ganz eigenen Ton trifft Kirsten Boie die Weltsicht ihrer Heldin und macht neidisch auf eine unbeschwerte Kinderzeit, die jeder auf die eine oder andere Weise erleben sollte.

Karin Hahn

 

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