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Es sind nicht spektakuläre Abenteuer die diese Geschichte ausmachen, sondern vielmehr die hintergründige Leichtigkeit an Sharon Creechs Erzählweise, die das Buch so wertvoll macht. Ihre klar gezeichneten Charaktere sind ebenso menschlich wie unterhaltsam

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die zahlreichen, reichverzierten großen und kleinen Illustrationen von David Diaz machen dieses Buch zu einem auch optisch hochwertigen Buch, das einen märchenhaften Zauber versprüht

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Sharon Creech schafft eine warmherzige, irgendwie vertraute Atmosphäre, in die man sich nur zu gern begibt. Ihre humorvolle, feine Sprache ist ein Genuss.

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Jan 2009

[ab 9 Jahren]

Kinderbuch des Monats [01.2009]. Es waren einmal ... zwei Geschwisterkinder: Der Junge mit Namen Enzio und das Mädchen mit Namen Pia leben in einem kleinen Dorf unterhalb eines prächtigen Schlosses. Sie sind arm und sie wünschten, sie könnten auch so leben wie die köngliche Familie in ihrem prächtigen Schloss. Sicherlich hätten sie dann alle Freiheiten, so denken die beiden Kinder...

doch da täuschen sie sich, denn ein jeder der könglichen Familie, vom König angefangen bis hin zur Jüngsten seiner drei Kinder, finden ihr Leben zu reglementiert und mit zu vielen Pflichten beschwert. Die Königin, klug und bedächtig, spürt dass der König, ihr „Guidolein", nicht mit dem Herzen Herrscher ist und sein Amt nur widerwillig betreibt. Doch alles geht seinen Gang. Der Minister für die Tagesplanung geht, wie jeden Tag, seine lange Liste an Terminen durch und der König wäre schon fast eingeschlafen, wenn da nicht plötzlich das Wort „Dieb" gefallen wäre. Und damit beginnt auch schon des Königs höchst verwirrende Zeit, in der er mehr als einmal seinen „Einsiedler" braucht, um seine Ratlosigkeit wenigstens ein wenig zu mildern. Wenn doch der Mann nur nicht so in Rätseln reden würde...

Etwa zur gleichen Zeit finden die beiden Kinder ein geheimnisvolles Ledersäckchen mit dem könglichen Wappen darauf. Verloren hat es der schwarze Reiter, der, so scheint es, von den Soldaten des Königs verfolgt wurde. Trotz schlechtem Gewissen nehmen sie das Säckchen an sich. Dann, plötzlich, steht einer der Soldaten vor ihnen und fragt sie, ob sie etwas gefunden hätten. Denn wenn es so sei, dann sollten sie ihren Fund bei der alten Frau im Dorf, „Signora Ferrelli", abgeben. Pia und Enzio sind ratlos und noch mehr Fragen stellen sich ihnen, als sie das Säckchen öffnen und seinen Inhalt betrachten. Was haben die roten „Corni" - die Glücksbringer - zu bedeuten, die Haarlocke und das geheimnisvolle Schriftstück? Weder Pia und Enzio können lesen.

Derweil geht die Suche nach dem Dieb oder vielmehr nach dem, was überhaupt gestohlen sein mag, im Schloss munter weiter. Der König, der sich widerwillig dieses Falls annimmt, lässt alle Inventar-Minister zu sich kommen und trägt ihnen auf, die Bestände zu prüfen. Das Resultat ist verblüffend. Der Minister für das Silberinventar vermisst den Deckel von einem Silberkännchen, der Minister für das Gemüseinventar einen Kohlkopf, der Minister für Leinen ein Deckchen... bis hin zu einer Kuh, wird alles mögliche aus dem Hausstand des Königs vermisst. Doch schon bald darauf melden sich die Inventar-Minister erneut und verkünden beschämt, dass nun wiederum mehr Sachen dazugekommen sind.

Plötzlich ist Signora Ferrelli verschwunden. Im Dorf
kocht die Gerüchteküche. Man glaubt, sie sei die Diebin - oder eine Spionin. Dann, alles geht ganz schnell, werden Pia und Enzio von den Soldaten des Königs mit auf das Schloss genommen und natürlich befürchten die Kinder das Schlimmste, da sie ja immer noch den Lederbeutel haben. Doch dann erfahren Pia und Enzio, dass sie die neuen Vorkoster des Königs sein werden. Aber das hat zweifellos der weise Einsiedler eingefädelt, als der König ihn um Rat fragte...

Die amerikanische Autorin Sharon Creech, die schon zahlreiche Kinder- und Jugendbücher veröffentlicht hat („Der weite Weg nach Hause" oder „Leo mittendrin") erzählt mit leichtem und lockerem Unterton ein Märchen mit zwei Geschichten. Zum einen ist da die Königsfamilie, die alles andere als glücklich mit ihrem priviligierten Leben ist. Zum anderen sind da zwei Waisenkinder, deren Glück offensichtlich von einem Lederbeutelchen abhängt (der Leser ahnt gleich, dass dieser Fund für das Schicksal der Kinder von Bedeutung sein wird.)

Sharon Creechs Märchen-Zutaten sind bekannt und doch in ihrer Weise originell: Da ist ein König, der Regent wider Willen ist. Sein geliebter Höhepunkt des Tages sind seine Nickerchen. Er wacht eifersüchtig darüber, dass nur er mit seinem Einsiedler sprechen darf. Und da ist eine kluge Königin, die in vielen Dingen weise ist - wie auch im Umgang mit ihrem königlichen „Guidolein" - und doch ihre Klugheit für sich behalten muss. Auch sie bekommt im Verlauf der Geschichte eine Einsiederlin - um genau zu sein Signora Ferrelli -.

Die Funktion der beiden Berater ist klar: Sind sie doch wie zwei köngliche Psychotherapeuten, die die richtigen Fragen stellen und die königlichen Hoheiten die Wahrheit selbst herausfinden lassen. Naja, beim König bringt es nicht allzu viel - aber immerhin hat der König hier seine Ruhe.

Ihre Kinder leben nicht minder unzufrieden in ihrer abgeschlossenen Welt. So wäre der Kronprinz lieber ein Dichter, der zweite Prinz (der nicht so genannt werden will) wäre so gern ein furchtloser Kämpfer und die schöne, verwöhnte Prinzessin würde insgeheim lieber etwas tun, als einfach immer nur schön zu sein.

Höhepunkt im Kreise der Familie sind die Abende, wenn der königliche „Wortschmied" ihnen Geschichten erzählt. Ein jeder darf sich eine Zutat wünschen und der Wortschmied erfindet daraus eine neue Geschichte. Hinter seinen Worten verbirgt sich so manches Mal auch die Wahrheit; die verstehen aber die meisten Familienmitglieder geflissentlich zu ignorieren.

Über weite Strecken schildert Sharon Creech die Befindlichkeiten und Gedanken ihrer Darsteller.
Ihr Wortwitz und ihr hintergründiger Humor beschreiben die Begebenheiten nicht nur detailreich, sondern auch sehr unterhaltsam. Doch bei aller Unbeschwertheit finden sich hier auch allerlei Wahrheiten, wie das kleinliche Nachhalten aller noch so alltäglichen Dinge - eigens festgehalten von den zahlreichen Inventarministern- und die Angst, ein Dieb könne umgehen, was wohl für das eifersüchtige Festhalten am Überfluss steht. Wie sagte der Einsiedler gleich noch? „Wenn man nichts hat, verschwindet nichts."

Sharon Creech schafft mit ihren Worten eine warmherzige, irgendwie vertraute Atmosphäre, in die man sich nur zu gern begibt. So sind es nicht spektakuläre Abenteuer oder allzu viele rasante Wendungen, die diese Geschichte ausmachen, sondern vielmehr das Eingängige und gleichzeitig Hintergründige an Sharon Creechs Erzählung, die den eigentlichen „Genuss" darstellen.

Ebenso stellen auch die zahlreichen, reichverzierten kleinen und grossen Illustrationen von David Diaz ein Genuss dar, mit denen ein jedes der 56 kurzen Kapitel eröffnet wird. Die Darstellungen sind in warmen, satten Farben angelegt, die nostalgisch und gleichzeitig klar und kraftvoll wirken. Die einzelnen Kapitel beginnen zunächst in Kursivschrift, wie in einem alten Märchenbuch, umgeben von Borden und Dekors, und mündet schliesslich in den eigentlichen Text. Ein schöner Effekt, der das Gefühl, in die Geschichte einzutauchen, umso mehr verstärkt. Beeindruckend auch, wie gut der golden wirkende Farbton der vielen Verzierungen getroffen wurde.

Sharon Creech entwickelt das Finale ihres Märchens ebenso humorvoll wie verblüffend. Scheinbar ganz unschuldig und doch so unübersehbar deutlich beschreibt sie die Verwandlung eines jeden. Für Pia und Enzio nimmt die Geschichte eine ganz unerwartete Wendung und wahrscheinlich sind sie es, die am Ende echte Freiheit gefunden haben.

Fazit:

„Das Schloss der verborgenen Wahrheit" ist ein Buch, in dem es um die Freude am Erzählen geht.
Sharon Creechs Märchen ist überaus originell und doch bedient es sich geschickt vieler Klischees - wobei die Autorin es mühelos schafft, diese gleichzeitig aufs Korn zu nehmen. Wie der königliche „Wortschmied" in ihrem Märchen, lässt Scharon Creech gerne auch mal die unbequeme Wahrheit hinter ihrer unbeschwerten Geschichte durchblitzen und stellt damit erneut unter Beweis, dass sie sich auf die Kunst des Erzählens bestens versteht.

Stefanie Eckmann-Schmechta

 

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