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Idee

Klar und kompetent zeichnet Kathy Kacer den Charakter des Mädchen Edith nach, nicht sentimental aber dennoch voller Gefühl für Details und für die Momente, die für Ediths Leben so einschneidend waren.

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zahlreiche Fotos der damaligen und der heutigen Zeit zeigen Eindrucksvoll und authentsch, worüber Kathy Kacer in diesem Buch berichtet.

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Kathy Kacers Sprache ist klar und es gelingt ihr mit wenigen Worten auszudrücken, was in Edith vorgeht. Sie schafft mit ihr eine gute Identifikationsfigur, die es Kindern erleichtert, sich ein Bild von den Ereignissen der damaligen Zeit zu machen.

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Jan 2009

Die sechsjährige Edith Schwalb lebt mit ihrer Familie in Wien. Im Mai 1938, nachdem die Nationalsozialisten in Österreich einmarschiert sind, muss die jüdische Familie fliehen und für Edith beginnt eine schwere, entbehrungsreiche Zeit. Sie wird von ihren Eltern getrennt und muss ständig mit der Angst leben, ebenfalls entdeckt zu werden...

Auf offener Strasse werden Edith und ihr Vater, Chaim Schwalb, ein beliebter Profi-Fussballer, von einem Gestapo-Mann angesprochen. Seine Absicht, Chaim Schwalb festzunehmen, ist deutlich und sein Hass gegen alles jüdische unübersehbar. Doch dieses eine Mal stellt die Beliebtheit des Fussballspielers einen wahren Segen für die Familie dar. Der Mann, ein Fan, erkennt Chaim Schwalb und vertraut ihm an, dass er und seine Familie so schnell wie möglich Wien verlassen müsse.

Das Mittagessen, auf das sich Edith nach der Schule so sehr gefreut hatte, bleibt unberührt stehen. Mit den wenigen Habseligkeiten, eingenäht in Ediths Mantelsaum, flieht die Familie und und schafft es schliesslich bis nach Belgien, wo sie wieder ein halbwegs normales Leben führen können. Hier wird auch der kleiner Bruder Gaston geboren. Edith wird gesagt, sie seien in Belgien sicher, doch dann wird Ediths Vater mitten in der Nacht von zwei Polizisten abgeholt. Ediths Mutter, Magdalena Schwalb, nimmt ihre letzten Wertsachen und nach einer quälend langen Nacht und einem Tag, gelingt es ihr, ihren Mann freizukaufen.

Wieder flieht die Familie - dieses Mal nach Frankreich. Da sie nun keine Wertsachen mehr haben, sind sie gezwungen, endlos lange Fussmärsche zurück zu legen. Edith und ihre ältere Schwester Therese müssen bis zur Erschöpfung laufen. Auch können sie auf ihrer Reise auch auf keine sicheren Unterschlupf für die Nacht hoffen, den sich die Bauern stets teuer bezahlen liessen. Schliesslich in Südfrankreich angekommen, maschieren 1942 auch hier die deutschen Truppen ein. Chaim Schwalb wird verhaftet und trotz aller Bemühungen gelingt es Magdalena nicht, ihren Mann ein weiteres Mal freizubekommen.

Auch für Magdalena und ihre Kinder wird es nun gefährlich. Dann erfährt Therese von ihrer Freundin Ida von einem kleinen Ort names Moissac und einem Haus, das von jüdischen Pfadfindern in Frankreich geführt wird. Ida versichert, dass jüdische Kinder dort sicher sind. Das beeindruckende ist, dass der Bürgermeister von Moissac und seine Einwohner von den jüdischen Kindern wissen und sie vor dem Zugriff der Nazis schützen. Ein jeder geht das Risiko ein, selbst im Konzentrationslager zu landen - doch sie entscheiden sich dafür, den Kindern zu helfen, ihnen ein zu Hause zu ermöglichen und ihnen damit das Leben zu retten. Ediths Mutter fällt schliesslich eine schwere Entscheidung: Edith und ihr kleiner Bruder Gaston gehen nach Moissac. Sie und die älteste Tochter Therese werden sich auf einem der umliegenden Bauernhöfe Arbeit suchen.

Edith fleht ihre Mutter an, bei ihnen zu bleiben. Doch es gibt keinen anderen Ausweg. Zunächst tief erschüttert, richtet sich Edith in dem Schlafsaal der jüngeren Mädchen ein. Ihr Empfang war herzlich, doch ihre Mutti und ihr Vati fehlen ihr sehr. Shatta, die Leiterin des Hauses und ihr Mann, Bouli Simon, versuchen den Kindern ein Stück Geborgenheit zurück zu geben. Das erkennt auch Edith, trotz ihrer Verzweiflung. Als sie dann noch viele andere nette Mädchen kennen lernt, darunter auch ihre spätere Freundin Sarah, gelingt es ihr, sich einzuleben. Edith schöpft wieder neue Kraft, verbessert sich in der Schule und ist viel an der frischen Luft.

Die Übungen der Pfadfinder haben jedoch einen lebenswichtigen Sinn: Immer wenn eine Razzia ansteht, lässt der Bürgermeister von Moissac Shatta warnen und die Kinder ziehen in den Wald. Edith, die sich schon beinahe sicher in Moissac wähnt, ist erschüttert. Sie begreift, wie nahe sie daran sind, entdeckt zu werden. Doch Shatta und Bouli haben das Prozedere nicht das erste Mal durchlaufen. Die Kinder sind perfekt aufeinander eingespielt und ein jeder packt nach der Warnung sein Bündel und es geht in den Wald. Hier schlagen sie zur jeder Nacht ein neues Lager auf. Nach anfänglicher Panik stellt sich in Edith so etwas wie Abenteuerlust ein und sie beginnt, ihr freies Leben zu geniessen.

Als die Kinder nach Moissac zurückkehren, ist nicht einem der Kinder etwas geschehen. Noch nicht einmal den älteren, die sich dort versteckt hielten. Doch das Wort „sicher" behält für Edith einen bitteren Beigeschmack und als auch der Bürgermeister von Moissac schliesslich eingestehen muss, dass das „Versteckspiel" für alle zu gefährlich wird, fasst Shatta einen schweren Entschluss: Das Heim muss geschlossen werden. Ein jedes Kind erhält neue Papiere und einen neuen Namen. Für Edith, deren Mutter ihr auf den Weg gegeben hat, niemals zu vergessen wer sie ist, eine schwere Gewissensfrage. Es fällt ihr schwer, eine andere zu sein, eine andere Lebensgeschichte erzählen zu müssen, die sie kaum überzeugend wird durchhalten können.

Zusammen mit Sarah und zwei weiteren Mädchen wird sie in ein Internat gebracht, wo sie niemandem gegenüber ihre wahre Identität preisgeben dürfen. Sie sind Waisen, das ist alles, was die anderen wissen müssen. Einzig die Direktorin weiss um ihr Geheimnis. Doch die hilft offensichtlich als Gegenleistung für die spärlichen Lebensmittelrationen der Mädchen, von denen nicht das geringste bei ihren eigentlichen Empfängern ankommt. Sie leiden Hunger, können sich nicht pflegen, tragen zerlumpte Kleidung und lassen sich am Ende, mutlos geworden, gehen. Niemand beachtet die Waisenkinder und so führen die ehemaligen Mädchen von Moissac ein einsames und entbehrungsreiches Leben, an dem Sarah zu zerbrechen droht.

Doch dann fallen auch Bomben auf das Internat. Edith wird abermals woanders hingeschickt, dieses Mal allein, und hat grosses Glück: Sie kommt bei einer Bauernfamilie unter, die das Mädchen liebevoll aufnimmt und wieder „aufpäppelt". Es ist nicht nur „Muttis Geburtstag", als die Bomber der Alliierten friedlich über sie hinwegfliegen, denn am 6. Juni 1944 landeten hunderttausende Soldaten an der Küste der Normandie an. Im September 1944 war der Krieg in Frankreich vorbei.

Edith hofft, dass ihre Familie endlich wieder vereint sein wird, doch von ihrem Vater kommt sehr lange keine Nachricht.

Bei „Ediths Versteck" handelt es sich um eine wahre und erlebte Geschichte, die die vielfach ausgezeichnete kanadische Autorin Kathy Kacer mit diesem Roman nacherzählt. Auch die an ein Wunder grenzende Tatsache, dass von den fünfhundert Kindern, die in Moissac Zuflucht fanden, nur ein einziges nicht überlebt, hat entspricht der Wahrheit. Jenes Kind wurde gegen den Rat von Shatta Simon von den Eltern abgeholt - sie wurden auf der Flucht gefangen genommen.

Kathy Kacer lernte Edith Schwalb, heute verheiratete Edith Gelbard, kennen, als sie ihre Geschichte Studenten erzählte. Kathy Kacer wollte mehr über die bemerkenswerte Frau erfahren und Edith Gelbard erklärte sich bereit, ihre Fragen zu beantworten. „Ediths Versteck" mit dem Originaltitel „Hiding Edith. A True Story" ist in der „Holocaust- Remembrance-Serie" des kanadischen Verlags „Second Story Press" erstmals erschienen. Von Kathy Kacer ist in Deutsch auch das Jugendbuch „Die Kinder aus Theresienstadt", erschienen 2003 beim Ravensburger Verlag, das ebenfalls die Erlebnisse der jüdischen Kinder im damaligen Ghetto nacherzählt.

Für „Ediths Versteck" hat die in Toronto lebende Autorin in ihrer Heimat mehrere bedeutende Auszeichnungen erhalten. Klar und kompetent zeichnet Kathy Kacer den Charakter des Mädchen Edith nach, nicht sentimental aber dennoch voller Gefühl für Details und für die Momente, die für Ediths Leben so einschneidend waren.

In nur wenige Worte legt sie die schwer zu ertragende Wahrheit, wie zum Beispiel die Beschreibung des leeren Ausdrucks in den Augen ihres kleinen Bruders Gaston, dessen Hoffnung Edith wider besseren Wissens aufrecht erhalten muss. Kathy Kacer beschreibt die Veränderungen der Menschen um Edith klar und lässt auch erahnen, was in Edith vorgegangen sein muss. Dabei flüchtet sich das Mädchen nie in Selbstmitleid. Dennoch ist es auch für den Leser berührend zu lesen, dass Ediths Schmerz um die Trennung von ihren Eltern von den anderen Mädchen in Moissac nicht geduldet wurde; mit der Begründung, dass sie immerhin noch Eltern habe.

Kinder können sich mit Edith gut identifizieren und werden sicherlich häufig reflektieren, was es für sie selbst und ihre Familie bedeuten würde, Verfolgte eines derart menschenverachtenden Regimes zu sein. Sicherlich wird „Ediths Versteck" erste Anstösse zur weiteren Diskussion geben. Es schafft eine gute Ausgangsbasis, um mit dem schwierigen Thema zu beginnen. Das Glück, dass Edith es am Ende geschafft hat zu überleben, stellt ein positiver Abschluss dar, mit dem Kinder zunächst besser umgehen können.

Fazit:

Kathy Kacer ist es mit ihrer klaren, einfachen Sprache gelungen, Ediths Sicht auf die Dinge authentisch zu vermitteln. Mit „Ediths Versteck" hat die kanadische Autorin gerade für Kinder eine altersgerechte Basis geschaffen, mit der sie sich mit der Protagonistin identifizieren und sich mit dem Thema der Judenverfolgung in Europa auseinandersetzen können.

Stefanie Eckmann-Schmechta

 

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