Couch-Wertung:

87%
Idee
Text

Idee

Für Kinder eine humorvolle Bestätigung für ihre Sicht der Dinge. Die Charaktere eignen sich ideal als Identifikationsfiguren. Dass die Erwachsenen hier gehörig auf´s Korn genommen werden, macht Kindern sicherlich eine Menge Spass.

Text

Sehr einfühlsam und gleichzeitig humorvoll weiss sie die Dinge zu beschreiben und bleibt, trotz der oftmals sehr überspitzten Darstellung, nahe an ihren Lesern.

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
1% 50% 100%

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

5 x 91%-100%
0 x 81%-90%
0 x 71%-80%
0 x 61%-70%
1 x 51%-60%
0 x 41%-50%
0 x 31%-40%
0 x 21%-30%
0 x 11%-20%
2 x 1%-10%
B:67.875
V:7
W:{"1":1,"2":1,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":1,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":0,"88":0,"89":0,"90":0,"91":0,"92":1,"93":1,"94":0,"95":0,"96":1,"97":0,"98":0,"99":0,"100":2}
Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Feb 2009

Nach geschrumpften Lehrerinnen und einem immer wiederkehrenden 7. Sonntag im August, widmet sich Sabine Ludwig nun den schrecklichsten Müttern der Welt. In ihrem neuesten Buch, das Anfang Februar 2009 erschient, ersinnt sie eine turbulent-komische Geschichte über die Frage, was wäre, wenn die schrecklichen Mütter gegen "netteTanten" ausgetauscht würden, die perfekt funktionieren und niemals nerven? Und vor allem: Wären die schrecklichen Mütter umerziehbar?

Die Kinder Emily, Bruno und Sofia merken schnell, dass mit "Tante Anna" irgendetwas nicht stimmt - doch bis sie herausfinden, was hinter dem Verschwinden ihrer Mütter steckt, vergeht so manche Überfahrt zwischen dem Festland und der kleinen Insel Nordfall...

Bruno hat es nicht leicht. Ständig muss er zur Klavierstunde, zu immer neuen Lehrern mit immer höheren Erwartungen - und hat überhaupt keine Lust dazu. Viel lieber würde Bruno nämlich boxen. Aber seine Mutter träumt von der grossen Pianisten-Karriere ihres Sohnes und ist davon überzeugt, dass Bruno ein einzigartiges Talent ist - mit dieser Überzeugung ist sie allerdings ganz allein auf der Welt. Am allerwenigsten glaubt Bruno selbst an sein Talent. Doch alle Versuche, die Mutter vom Gegenteil zu überzeugen, um Brunos Qual zu beenden, stossen auf taube Ohren.

Auch Emily leidet. Nicht genug, dass sie und ihre Mutter nun ohne ihren Vater auskommen müssen, der sich in eine andere Frau verleibt hat; sie muss auch ständig auf ihre chaotische Mutter Acht geben. Jeden Mittag, wenn Emily nach Hause kommt, rechnet sie mit dem Schlimmsten. Und wenn Suse, Emily´s Mutter, zu einem Vorstellungsgespräch will, kann man sicher sein, dass das Auto mitten auf der Kreuzung stehen bleibt, weil der Tank leer ist. Wenn sie einkaufen geht, kommt es nicht selten vor, dass sie ihr Portemonnaie nicht finden kann und der Marktleiter des Supermarktes einen riesen Aufstand macht, weil Suse bereits vor dem Bezahlen einen Apfel aufgegessen hat, den sie aber vorher natürlich nicht gewogen hat. Immerzu muss Emily befürchten, dass ihre Mutter eine Dummheit begeht - und kochen, waschen und bügeln kann sie auch nicht, überhaupt nicht. Emily glaubt, dass ihr Vater sie deshalb verlassen hat, weil ihre Mutter einfach zu anstrengend ist.

Und da ist noch Sofia - ein rundliches Mädchen mit einer wilden Haarpracht. Sie hat einen wirklich süssen Bruder - Niklas - aus der zweiten Ehe ihrer Mutter. Sofia leidet sehr darunter, dass Niklas das Engelchen und Sofia stets die Schuldige für die Mutter ist . Sie fühlt sich weder geliebt noch verstanden und kann ihren verwöhnten kleinen Bruder kaum ertragen. Erst recht dann nicht, wenn er wieder an ihre Sachen geht.

Dann werden sie auf einen Wettbewerb aufmerksam, in dem die schrecklichste Mutter der Welt gesucht wird. Unter www.schreckliche-muetter.de (die Seite wird es ab dem 15. Februar 2009 geben) finden sie weitere Informationen. Alle drei Kinder schicken ihren Bewerbungsbogen ab - und nicht nur sie.

Auf der kleinen Insel Nordfall ist der Plan für die "WMVA - Wohlfahths Mütterverbesserungsanstalt" in vollem Gange. Der ehemalige Spielzeugfabrikant Walther Wohlfarth, dessen Marktanteile an den asiatischen Markt verlorengegangen sind, hat die einzigartige Idee, Roboter zu den leidgeplagten Kinder zu schicken, um den Müttern derweil beizubringen, was eine gute Mutter wissen muss. Wohfarth hofft, damit eine echte Marktlücke gefunden zu haben. Die ersten Mütter, die auf Nordfall eintreffen - darunter auch die von Emily, Bruno und Sofia - glauben einen Kuraufenthalt gewonnen zu haben und sind recht ungehalten, als sie sich in Wohlfarths provisorisch hergerichteter Fabrikhalle wiederfinden. Doch als sie die Begründungen ihrer Kinder zu hören bekommen, warum sie die schrecklichsten Mütter der Welt sind, wollen sie lernen, eine bessere Mutter zu werden.

Die "Tante Anna", die sich den Kindern als entfernte Verwandte vorstellt, wird zunächst von den Kindern auch gern als Mutterersatz angenommen. Sie lächelt immer und stellt keine nervigen Fragen. Sie kann zwar nicht kochen, stellt aber allerlei lecker-ungesundes Essen auf den Tisch und putzt selig den ganzen Tag vor sich hin. Doch dann machen ein paar Exemplare der Anna-Serie Fehler. Die eine gibt dem kleinen Niklas Katzenfutter statt Cornflakes, die andere errregt Brunos Misstrauen, als er feststellt, dass sie weder isst noch schläft - und offensichtlich auch nicht wirklich Modejournals liest, denn als er "Tante Anna" sein Matheheft unterjubelt, merkt die das gar nicht und gibt weiterhin modische Kommentare dazu ab. Als Brunos Anna plötzlich verrückt spielt und er dies mit der Fernbedienung des Fernsehers in Verbindung bringen kann, steht für ihn fest: Diese Anna ist ein Roboter. Auch Emily reicht es langsam: Die immer gleichen, ausweichenden Antworten auf Emilys drängende Fragen, wo ihre Mutter ist, beunruhigen das Mädchen sehr. Es endet damit, dass sie ihrer Anna eine Schale Pudding über den Kopf kippt.

Und es ist gerade Emilys Mutter, Suse, die die Klassenschlechteste ist und fast vor Heimweh umkommt. Mehrere Fluchtversuche unternimmt sie, wird aber immer wieder zurück in die WMVA gebracht. Die drei Kinder - zusammen mit dem kleinen Niklas, der Angst vor der merkwürdigen Tante hat - machen sich auf den Weg, ihre Mütter zu suchen. Sie ahnen, dass da irgendetwas nicht stimmt. Die einzige Spur, die sie haben, führt sie zu der kleinen Insel Nordfall...

Wir Mütter mögen ja bei diesem Titel -"Die schrecklichsten Mütter der Welt"- zusammenzucken, mit der bangen Frage auf den Lippen: meint das Buch etwa mich? Ja und nein; meint es doch jenen Teil in uns, der bei den Müttern dieser Geschichte besonders stark zu Tage tritt: Da gibt es Mütter mit Kontrollmacke, Dauerchaos, Öko-Fimmel, Klammer-Reflex und übersteigertem Ehrgeiz. Deshalb sind sie ja auch die schrecklichsten Mütter der Welt. Für Kinder ist dieses Buch ein Spiegel ihrer alltäglichen Routine - und so manches mal auch eine humorvolle Bestätigung für ihre Sicht der Dinge.

Die Charaktere der Erwachsenen, angefangen von Walther Wohlfarth bis hin zu den Insulanern, allesamt echte "Originale", sind Sabine Ludwig wieder einmal gut gelungen. Sei es die verliebte Sekretärin, die nun theoretischen Unterricht in Kindererziehung geben muss, oder der ehemalige Fahrer der Fabrik, der seine Umgebung auch in den unangebrachtesten Momenten mit seinen Witzen nervt, und nun die Mütter im Sandburgenbauen unterweist - sie alle machen die lebensnahe und doch so fantastische Geschichte sehr abwechslungsreich. Sehr humorvoll überzeichnet Sabine Ludwig auch die Mütter in Wohlfarths Mütterverbesserungsanstalt, die sie oft nur "Klammermutter", "Öko-" oder etwa "Fitnessmutter" nennt. Allen voran spielen Brunos Mutter, die "Streberin" sowie Emilys Mutter, Suse, die sie nur noch die "Heulsuse" nennen, eine Hauptrolle. Dabei wechseln die Beschreibungen übergangslos zwischen einem mitfühlenden und schadenfrohen Unterton - eine ambivalente Darstellung, die Kinder aber mit Sicherheit einnimmt und sie darin bestätigt, einen kritischen Blick auf ihre Umwelt zu haben.

Das Leben jedes einzelnen Darstellers wird im Verlauf der Geschichte gehörig auf den Kopf gestellt. Sabine Ludwig lässt ihre Leser an der langsam vonstatten gehenden Veränderung teilhaben. Nun, ganz ohne die Beeinflussung der Mutter, gelingt es Sofia sogar, ihren kleinen Bruder lieb zu gewinnen. Selbst Brunos Mutter versteht irgendwann, dass ihr persönlicher Ehrgeiz nichts mit ihrem Sohn zu tun hat und dass er ein Recht auf ein eigenes Leben hat. Wir werden auch gewahr, warum Walther Wohlfath so vernarrt in seinen Plan ist, Kindern eine perfekte Mutter zurück zu schicken: Gäbe es doch über seine Mutter so manches zu sagen, außer, dass sie perfekt war.

Doch bevor alles zu einem guten Ende kommen kann, geschehen noch allerlei schräge Dinge. Die unglaubliche Geschichte gipfelt schließlich in einem dramatischen Höhepunkt. Die Ereignisse scheinen sich zu überschlagen, während Sabine Ludwig mit sicherer Hand die Fäden beisammenhält und uns schließlich mit dem guten Gefühl entlässt, dass ein jeder gestärkt aus dem Abenteuer hervorgeht.

Sehr einfühlsam und gleichzeitig humorvoll weiss sie die Dinge zu beschreiben und bleibt, trotz der oftmals sehr überspitzten Darstellung, nahe an ihren Lesern.

Raffiniert ist auch Sabine Ludwigs Idee, das Internet als fortlaufenden Handlungsstrang in die Geschichte zu integrieren. Durch die e-mails, die sich die Kinder nach Abschluss ihres Abenteuers über die Internetseite zuschicken, werden eine ganze Reihe von Fragen zu dem Werdegang der einzelnen Akteure beantwortet. Auf diese Weise wird ihre Geschichte bis in den (wieder) ganz normalen Alltag fortgeführt. Letztlich kommt es im Kontakt zwischen den Kindern noch zu allerlei Tipps, wie man seine Mütter am besten erzieht - und wenn das nicht geht, geben sie sich moralische Unterstützung. Denn eines ist klar, auch eine Mutter kann nie ganz aus ihrer Haut.

Fazit:

Wie in einer Satire steckt in Sabine Ludwigs "Die schrecklichsten Mütter der Welt" ein nicht zu übersehender Kern der Wahrheit. Auf die Spitze getrieben, aber doch mit einer gesunden Portion Lebenserfahrung trifft Sabine Ludwig hier genau den Nerv ihrer Leserschaft. Ein witziges und spannendes Plädoyer für mehr Humor im alltäglichen Familienwahnsinn.

Stefanie Eckmann-Schmechta

 

Deine Meinung zu »Die schrecklichsten Mütter der Welt«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
12.03.2019 19:24:59
Carla Carsten

Das Buch ist sehr lustig und zwischendurch auch spannend.
Sabine Ludwig hat gute Stellen ausgesucht aber auch ein bisschen übertrieben, aber es ist trotzdem gut gelungen und ich würde mich Wahnsinnig über einen zweiten Band freuen!
Ich sag nur Mach weiter so und habe viel Spaß dabei.