Couch-Wertung:

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Idee
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Idee

Fuchs und Ratte sind einfach genial – wie auch die Idee, eine Geschichte in einer Geschichte zu verankern und Teile aus dem „wahren Leben“ einzustreuen.

Text

Truus Mattis klare Sprache überzeugt durch ihre Ruhe und Sensibilität. Sie bringt ihre sympathischen Charaktere zum Leben. Während das Mädchen in der Ich-Form erzählt, wird die Geschichte um Maus, Fuchs und Ratte durch einen Dritten erzählt.

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Mai 2009

[ab 11 Jahren]

Ein Mädchen im Niemandsland. Sie hat keinen Namen und weiss nicht woher sie kommt. Ein Fuchs und eine Ratte sind die einzigen, die sie in dieser stürmischen Nacht aufnehmen könnten. Ein anderes Mädchen, außerhalb dieser Geschichte, erzählt von ihren Erinnerungen an den verstorbenen Vater. Die niederländische AutorinTruus Matti erzählt mit ihrem Debüt-Roman „Bitte umsteigen!" eine sehr feinsinnige Geschichte über den Weg zurück ins Leben.

Da steht sie nun: Durchnässt vom Regen in der Wartehalle eines heruntergekommenen Hotels. Überrascht stellt das Mädchen fest, dass die Tiere, ein Fuchs und eine Ratte, ihre Grösse haben und mit ihr sprechen. Sie sind freundlich und trotz der anfänglichen Skepsis der Ratte durchaus bemüht, dem Mädchen eine angenehme Unterkunft zu bieten. Das Hotel hat viele Zimmer, die sich alle gleichen. Es hat vier Stockwerke und eine Werkstatt, in der die Ratte herumwerkelt. Vor der Tür ein schrottreifer Autobus.

Es scheint, als würde das Mädchen neuen Mut in das Leben der beiden Tiere zu bringen. Denn schon bald übt sich der Fuchs in neuen Kochkünsten und die Ratte geht ernsthaft die Reparatur des Busses an. Irritiert ist das Mädchen von dem Klavierspiel, das irgendwo aus dem Hotel zu kommen scheint - es sind Übungen, Tonfolgen, bis das Musikstück als ganzes erklingt; wieder und wieder. Das Mädchen, das sich selbst „Maus" nennt und auch dem Fuchs und der Ratte einen Namen gibt, sucht die Quelle des Klavierspiels. Doch vergeblich. Sie ortet den Klang im obersten Stockwerk, doch da ist kein Klavier. Später erst begreift sie, dass das oberste Stockwerk gar keine Treppe hat und nur über den Speiseaufzug zu erreichen ist. Dort trifft sie auf ein Mädchen das ihr verblüffend ähnlich sieht, aber jünger ist. Im Gegensatz zu Maus ist das Mädchen sehr feindselig und verschlossen. Sie redet schlecht über Fuchs und Ratte und sagt, dass sie sich weigere mit so kindischen Tieren zu sprechen.

Währenddessen schickt uns Truus Matti immer wieder in eine andere, weniger bizarre Welt. Auch hier erzählt sie von einem Mädchen. Einem Mädchen, das ihren Vater sehr geliebt hat. Das Mädchen, dessen Namen wir nicht erfahren, fühlt sich unendlich schuldig. Ihr Vater, ein Musiker und häufig unterwegs, hatte versprochen an ihrem Geburtstag wieder zu Hause zu sein. Doch wegen eines Motorschadens an Bord seines Schiffes kann er nicht rechtzeitig zurück sein. Von der Gegenwart, der traurigen Situation nach dem Tod des Vaters, gelangen wir in die Vergangenheit. Sie erzählt uns von den glücklichen Momenten, von der Musik und von der Idee beider, gemeinsam eine Geschichte zu schreiben. „Drossel", so nennt das Mädchen ihren Vater, macht den Anfang und schickt seiner Tochter die Geschichte von dem Fuchs und der Ratte im Hotel - zusammen mit seinem Brief, in dem er tief bedauert, nicht an ihrem elften Geburtstag bei ihr zu sein. Das Mädchen verfasst einen zornigen Brief an ihren Vater und schreibt ihm, dass er auch gleich ganz wegbleiben könne. Gleichzeitig schickt sie auch den Anfang der Geschichte wieder zurück - mit der Begründung, das sei eine kindische Geschichte und sie sei zu alt für sprechende Tiere.

Wütend und tief enttäuscht zerreisst das Mädchen schließlich alle Briefe ihres Vaters - alle wunderbaren, liebevollen Worte, die ihr Vater ihr auf seinen Reisen geschickt hat. Wie im Rausch wird ein Brief nach dem anderen in Stücke gerissen. Entsetzt von ihrer Tat steckt sie die vielen Schnipsel in ihre weisse Tasche, die sie sonst immer bei sich trägt und mittlerweile so eine Art „Markenzeichen" geworden ist. Die Mutter näht ihr später eine zweite, die genauso aussieht, wie ihre Alte.

Zurück zu der Geschichte mit Fuchs und Ratte: Maus findet heraus, dass die weisse Tasche mit den Papierschnipseln mit der zornigen Klavierspielerin gekommen ist. Doch die hat die Tasche kurz vor dem Hotel verloren. Dafür weiss aber die Ratte, die zwar nicht lesen kann, eine Menge mit den Papierfetzen anzufangen. Maus findet einen nach dem anderen Schnipsel und setzt sie wieder mühevoll zusammen - langsam schliesst sich der Kreis.

Den vielschichtigen Inhalt mit seinen vielen Verweisen in die andere Erzählperspektive in allen Details wieder zu geben, ist in der gebotenen Kürze kaum möglich. Auch wird man beim Lesen des Buches immer wieder neue Hinweise und Verbindungen finden, die alle drei Mädchen betreffen. Sehr klug ist Truus Matti hier an ihren ersten Roman gegangen,
indem sie eine Geschichte mit ihrem Ende beginnt und eine andere mit ihrem Anfang. Während die Geschichte um Maus fortlaufend erzählt wird, finden wir in der realen Geschichte um Drossel und seine Tochter zahlreiche Rückblenden und Momentaufnahmen. Am Ende ist ihr aber das Kunststück gelungen, beide Geschichten in einer wunderbaren Auflösung miteinander zu verschmelzen.

Mit verblüffend einfachen Mitteln - und ohne viele Erklärungen - führt Truus Matti ihre Leser an den richtigen Punkt der Ereignisse heran. Doch ganz so einfach macht sie es uns nicht; denn sie hebt nichts offensichtlich hervor oder benennt es klar. Das wiederum hat den Effekt, dass man dem Reiz, seine Gedanken noch einmal in den Geschichten auf Reisen zu schicken, kaum widerstehen kann. „Bitte umsteigen" meint hier also auch den Leser.

Die Auflösung der Schuld ist ein langwieriger Prozess, der durch die Schilderungen des ansteckenden Lebenswillen von Maus viel tiefgründiger begleitet wird, als es zunächst den Anschein hat. Erst das Auftauchen von Maus und ihre Offenheit den Tieren gegenüber (die wurden im realen Leben in einen Karton verbannt, mit der Begründung, man sei schon zu alt für Stofftiere) lässt die Geschichte aller weitergehen. Auch das Leben des Mädchens in der realen Welt geht wieder weiter; vor allem dadurch, da sie sich selbst dazu entschlossen hat. Mit dem alten Freund der Familie und Musikerkollegen ihres Vaters traut sie sich endlich über ihre Schuldgefühle zu reden. Der kluge und liebenswerte alte Mann muss nicht viel dazu sagen; er schickt sie, um die Notenblätter ihres Vaters aus seiner Wohnung zu holen. Unter den Noten befindet sich der letzte Brief von Drossel an seine Tochter, den er nicht mehr abschicken konnte. Benommen irrt sie zunächst mit dem Brief durch die Stadt. Erst an dem Busbahnhof, an dem sie immer auf ihren Vater gewartet hat, kann sie ihn lesen. Er schreibt ihr, dass er gut verstehe, dass sie sauer auf ihn sei. Doch solle sie ein Herz für das Mädchen in der Geschichte haben, für die es, ebenso wie für die beiden Tiere, im Leben nie mehr weitergehe. Das Mädchen, das Drossels Tochter in der Geschichte zurück gelassen hat, ist ohne Zweifel die zornige, kleine Klavierspielerin.

Fazit:

Ein berührendes Kinderbuch über Verlust, Trauer und dem Gefühl von Schuld. Truus Matti ist mit ihrem Debüt ein kleines Kunstwerk gelungen, das ohne Umwege das Herz erreicht. „Bitte umsteigen" steht hier nicht nur für den wieder flott gemachten Autobus -es steht auch für den Entschluss, sich wieder für das Leben zu entscheiden.

Stefanie Eckmann-Schmechta

 

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