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Idee
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Idee

die verrückte Familie Peppin schlägt sich mit unlösbaren Problemen herum, die verzweifelte Autorin bittet ihre Leser aus allen möglichen Gegenden der Welt um Hilfe

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lakonisch, klar formuliert, ironische Anspielungen fehlen nicht, hohes Erzähltempo

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Marylin Hafner fängt in ihren schwarz-weiß Bildern den ironischen Grundton der Geschichte ein

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Jun 2009

Familie Peppin hat so ungewöhnliche Probleme, dass Polly Horvath mit dem Leser in Kontakt treten muss, um gute Ratschläge oder zumindest Lösungsansätze anzubieten. Da antworten Menschen aus Dußlingen bei Stuttgart, Omsk in Russland oder Umtata in Südafrika. Wie die Autorin die Meinungen ihrer Leser einholt und was das für eine seltsame Familie ist, bleibt bis zum Ende dieses unterhaltsamen Kinderbuches ein Rätsel.

Familie Peppin, Mr und Mrs Peppin, die Kinder Petunia und Irving, leben in der kanadischen Stadt Primeltown. Zur Familie gehören noch Hund Roy und Katze Miranda, die im Laufe der Geschichte das Sprechen erlernen, es dann aber wieder lassen, denn es wird sowieso nie etwas Wichtiges gesagt. Nebenher bauen sie sich ein Ultraleichtflugzeug und fliegen bis nach Toronto. Als Familienmitglied muss auch noch die Kuh Nelly gezählt werden, die allerdings ab und zu statt Milch Limonade gibt. Außerdem ist da noch der ausgesprochen nette Nachbar Mr Bradshaw, der in alle anfallenden Probleme einbezogen wird. Er ist der Inhaber der Firma "Ausgefallene und unübliche Snackprodukte" und forscht gerade an einem neuen Projekt: essbare Bleistifte.

Alles beginnt damit, dass die Familienmitglieder am Morgen in heller Aufregung ahnen, dass sie weder zur Arbeit noch zur Schule rechtzeitig kommen werden, denn sie sind nicht in der Lage, ihre Schuhe anzuziehen. In den Schuhen befinden sich lebendige Frösche, die aus ihrem neuen Zuhause nicht weichen wollen. In ihrer Verzweiflung spricht die Autorin ihre Leser an und bittet sie, den Grund für die verfroschten Schuhe zu finden. Sie fährt ihre langen übersinnlichen Antennen aus und empfängt so die Meinungen ihrer Leser aus Finnland, dem Schwarzwald oder Australien. Sie spricht den Leser direkt an, fordert ihn auf, ein Lösung zu durchdenken. Wenn er sich mit den Fingern an die Schläfen fasst und konzentriert, dann kann die Autorin die Meinung des Lesers hören. Das kann nur Polly Horvath. So, so.
Da die Autorin, wie jeder Schriftsteller, ein einsames Leben führt, ist diese Form der Kommunikation ganz praktisch. Und schon sprudeln Erklärungen, Antworten und Lösungen ins Buch. Könnte es ein Umweltproblem sein oder haben gar Außerirdische ihre Finger im Spiel oder sind die Schuhe einfach nur heiser. Diese richtige Antwort stammt von einer lieben Leserin in Valduz in Liechtenstein. Nachdem die Frösche sich ordentlich geräuspert hatten, hüpften sie auf und davon.

Und so reiht sich ein unlösbares Problem ans andere. Die Peppins sitzen auf ihrem Hausdach und sind nicht mehr in der Lage herunterzusteigen. Wieder müssen Lösungen angeboten werden, die so idiotisch sind, dass die Autorin ab und zu auch an ihren Lesern verzweifeln könnte. Eines Tages steht vor dem Haus der Peppins ein fremder Mann im schwarzen Anzug, der angeblich nun nach Hause gekommen ist. Er liest seelenruhig die Abendzeitung und macht es sich im Wohnzimmer gemütlich. Die Peppins stehen erneut vor einem Problem. Sie platzieren den fremden Mann nun dekorativ in allen möglichen Räumen und setzen ihm die unterschiedlichsten Hutbekleidungen auf den Kopf. Ein Ende findet die Prozedur als sie ihn auf dem Dachboden absetzen, weil sie endlich ein Foto von ihm finden. Der Mann ist Bartholomäus William Kunibert Peppin, der verschollene Peppin. Er ist bei einer Hochzeitsfeier verlorengegangen, auf Borneo gelandet und nun wieder daheim. Auch seine Frau wird bald kommen, denn auch sie musste von Borneo aus den Weg nach Hause antreten. Allerdings wird ihre Heimkehr der Stöckelschuhe wegen etwas länger dauern.

Der Verwandte ist gekommen, um alle Probleme der Peppins zu lösen. Ein Wunder. Das Buch ist zu Ende. Leere Blätter folgen nach dieser vollmundigen Erklärung, denn die Autorin wollte nur schnell in die Küche gehen, um Kuchen zu essen. Die Peppins plagen sich jedoch weiterhin mit ihren unlösbaren Problemen, denn die verschollenen Verwandten hatten nichts besseres zu tun als den Kühlschrank leer zu essen, um sich dann aus dem Staub zu machen.

Nun lernen die Peppins ihre andere Nachbarin kennen und erkennen, wie wundervoll Mr Bradshaw ist. Diese Nachbarin, Miss Pupenstat, war Postbotin im kanadischen Postdienst. Für alle möglichen Fälle hat sie den geeigneten Stempel. Irving vermutet aus Gründen des Gleichgewichts, dass die Nachbarin böse sein muss, denn der andere Nachbar ist ein guter Mensch. Die Peppins lernen nun durch Miss Pupenstat die Probleme einer Postbotin kennen. Allerdings scheint sie doch die böse zu sein, nachdem sie Petunia am liebsten den Stempel: Vorlaute Kinder ergeben prima Türstopper verpassen wollte. Natürlich bricht ein Streit aus, wer denn nun der bessere Nachbar sei.

Viele Probleme beschäftigen die Peppins, sie müssen aufpassen, dass sie nicht auf ihr Besteck treten und plötzlich steckt der wunderbare Nachbar in ernsthaften Schwierigkeiten. Er hat sich verliebt, allerdings in keine Frau, sondern in die Baderstange vor dem Frisörgeschäft. Alles klar, er benötigt eine Brille. Doch wie bringt man einem sensiblen Mann bei, dass er sich in einen Gegenstand verliebt hat. Am Ende jedoch lösen sich alle Probleme in Luft auf und die Peppins beschließen, dass sie alle hilfreichen Leser zur Belohnung rund um den Erdball besuchen wollen.

Polly Horvath stammt aus den USA und lebt in Kanada. Ihre Schreibdomäne ist die Familie. Bereits in „Blaubeersommer" erzählt sie von chaotischen Mutter-Tochter-Beziehungen und einer seltsamen Patchworkfamilie mit uralten Tanten. Dabei stammt die Autorin, wie sie in einem Interview in Berlin erzählte, aus einem intakten Elternhaus und trotzdem kreisen ihre Geschichten immer wieder um interne Familienkonstellationen.
Bei den Peppins gibt es keine Schulprobleme, kein Mobbing, keine Rabenmutter oder einen abwesenden Vater. Ganz nebenbei fliegt dann Petunia aus dem Fenster in die Abendnacht oder die Haustiere beherrschen unsere Sprache. Die Autorin krönt ihre Protagonisten zu Königen oder regt sich über ihre eigene Zunft auf. Und wenn gar nichts mehr hilft, dann tanzen alle Familienmitglieder zur Entspannung einen portugiesischen Tuchtanz. Alle sind permanent da und beschäftigen sich nur mit den zum Teil blödsinnigen Antworten der Leser. In regelmäßiger Slapstick-Albernheit versinkt dieser Text, würde die Autorin sich nicht ständig zu Wort melden, um etwas Struktur in das Ganze zu bringen. Die verrückten Ereignisse um die Familie Peppin scheinen mir der Gegenentwurf zu allen tiefschürfenden Familienproblem-Geschichten überhaupt. Die Figuren bei Polly Horvath werden immer so genommen, wie sie sind. Niemand hinterfragt ihre Handlungsweise und doch wirken sie authentisch.

Alle Konflikte, mit denen sich die Peppins herumschlagen, sind hausgemacht und somit nicht normal. Nie gibt es ernsthaften Streit untereinander. Im Gespräch werden Lösungen debattiert und dann auch in die Tat umgesetzt, wenn es sein muss.
An Polly Horvaths Nonsens-Geschichten scheiden sich die Geister. Entweder man mag diese überbordende Erzählweise von chaotischen Menschen und Tieren oder man sucht vergeblich nach einem tieferen Sinn.

Fazit:

Polly Horvath erzählt eine witzige, lockerleichte Geschichte nach der anderen. Auf diese respektlose Art des Erzählens muss man sich einlassen können und wenn das möglich ist, dann ist dieses schräge Buch ein herrlicher Lesespaß.

Karin Hahn

 

Familie Peppin kann sich kaum retten

Familie Peppin kann sich kaum retten

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