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Buchcover: Barbara van den Speulhof: Ginpuin

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Ginpuin von Barbara van den Speulhof

erschienen bei Coppenrath

geeignet für Kinder im Alter ab 4 Jahren

Andersartige Lebewesen haben es unter ihresgleichen oft schwer. So auch der Ginpuin. Bis er in die Welt hinaus zieht und seiner Pinguinfamilie zeigt, dass ihr ohne ihn etwas fehlt.

Am anderen Ende der Welt, weit, weit weg von uns, liegt die Insel der Pinguine. Unvorstellbar viele Pinguine leben dort in der unvorstellbaren Kälte und gehen gemeinsam schwimmen, fangen Fische und rutschen auf den Eishügeln. Dieses Idyll hätte ewig anhalten können, wenn nicht eines Tages ein Pinguin anders gewesen wäre als die anderen. Zunächst bemerkt keiner etwas. Dieser Pinguin verhält sich wie die anderen und sieht aus wie die anderen. Doch als er anfängt zu sprechen, ist er anders. Anstatt „Schwimmflossen“ sagt er „Flimmschwossen“ und bewundert sein „warzes“ und „schweißes“ Kleid. Die anderen Pinguine fallen vor Lachen direkt von der Eisscholle und machen sich jeden Tag über ihn lustig. So nennen sie ihn schließlich „Ginpuin“. Ginpuin leidet furchtbar unter den Witzeleien der anderen und beschließt, eine Reise zu machen und einen Ort zu suchen, an dem er anders sein darf. Er hüpft von Eisscholle zu Eisscholle und gelangt durch seinen Sprachfehler (er war auf der Suche nach etwas Essbaren und fragte den Albatros anstatt nach „Fisch“ nach „Schiff“) auf ein Schiff, dass ihn mit auf eine ferne Insel nimmt. Dort ist es genau so, wie Ginpuin es sich erhofft hat, nämlich anders als zu Hause. Er wohnt mit Schafen auf der grünen Wiese und träumt mit ihnen unter dem Sternenhimmel. Und trotzdem plagt ihn das Heimweh und er tritt die Reise zurück zur Insel der Pinguine an. Dort angekommen bemerkt er, dass nicht nur er die anderen Pinguine, sondern die anderen Pinguine ihn auch vermisst haben. Von nun an ist er ein wichtiger Teil der Gesellschaft und unterhält die anderen mit seinen abenteuerlichen Geschichten.

Es ist traurig, wenn jemand aufgrund einer lapidaren Andersartigkeit, sei es Größe, Sprache, Hautfarbe oder anderen Kriterien, aus einer Gesellschaft ausgeschlossen und dazu gebracht wird, ihr den Rücken zu kehren, um anderswo sein Glück zu versuchen. Leider geschehen solche Vorgänge täglich und in den unterschiedlichsten Zusammenhängen. Was später bewusst praktiziert wird, wird von kleinen Kindern teilweise durch Erstaunen und Furcht vor dem anderen erlebt. Sie wenden sich ab, sind besonders still und eingeschüchtert oder aber eben das ganze Gegenteil und wollen den Anderen dominieren, um ihre Unsicherheit zu überspielen. Und genau hier setzt das vorliegende Buch an. Denn sind nicht Ausbrüche aus der Norm bereichernd? Worin begründet sich eigentlich die Ablehnung und die vermeintliche Überlegenheit über die Andersartigkeit? Wer mit Kindern darüber ins Gespräch kommen will, findet in „Ginpuin“ einen guten Türöffner.

Denn mit die Geschichte des kleinen Ginpuin regt Barbara van den Speulhof auch kleine Kinder an, über diese Fragen nachzudenken. Auch die Pinguingesellschaft ist sich zunächst ihrer Überlegenheit über den andersartigen Pinguin sicher. Jedoch müssen sie bei seinem Weggang erkennen, dass ein wichtiger und bereichernder Teil von ihnen nun nicht mehr da ist und sie ihn sehr vermissen. Das Andersartige bereichert ihre Gesellschaft, deckt verschiedene Aspekte des Lebens auf und befreit sie aus ihrem eintönigen Leben. Die Autorin zeigt aber auch, wie tief die Verletzung des kleinen Ginpuin sitzt und wie sehr er gleichzeitig trotz allem mit seiner Heimat verbunden ist. Auch, wenn er so weit getrieben wurde, dass er seine Heimat verlassen hat, sehnt er sich nach einiger Zeit doch zurück. Und tatsächlich tritt er die Heimreise an, obwohl er nicht weiß, wie er zu Hause aufgenommen wird.

Bei aller thematischen Schwere erzählt Barbara van der Speulhof dennoch eine wunderbar leichte und beschwingte Geschichte. Mit humorvollen Sprachelementen und einer emotionalen, aber nicht pathetischen, Wortwahl verleiht sie der Geschichte die nötige Tiefe, ohne dabei schwer zu wirken. Sie versteht es, die Lebenswelt der Pinguine anschaulich darzustellen und dem Leser die symbolisch enge Lebenswelt vor Augen zu führen. Die verdrehten Wörter und Sätze des Ginpuin sind, passend zu Handlung, grafisch aus dem restlichen Text hervorgehoben. Über sie werden Kinder den Spaß am Spiel mit Sprache entdecken und ihre helle Freude daran haben, selber Wörter zu verdrehen.

Passend zu der sympathischen Geschichte verleiht Henrike Wilson den Figuren Charakter und der Umgebung ein Gesicht. In wunderbar stimmigen Farbwelten tauchen auf den ausdrucksstarken doppelseitigen Bildern die Pinguine durchs eiskalte Wasser oder träumt Ginpuin zusammen mit den Schafen auf saftig grünen Wiesen. Die Textfelder stehen getrennt von den Illustrationen unter den Bildern und lassen sie so ganz für sich wirken.

Fazit:

„Ginpuin“ ist ein liebenswertes Buch über die Verbundenheit mit der Heimat und darüber, dass „das Andere“ sehr bereichernd sein kann, wenn man es nur lässt.

Claudia Goldammer

 

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