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Buchcover: Henning Wiesner: Müssen Tiere Zähne putzen?

Buch-Rezension - das meint Kinderbuch-Couch.de: Müssen Tiere Zähne putzen? von Henning Wiesner

erschienen bei Hanser

geeignet für Kinder im Alter ab 10 Jahren

Ausgezeichnet mit dem Kinderbuch-Couch-Star*, Kinderbuch des Monats (07.2005). Müssen Tiere Zähne putzen? Oder was sagen eigentlich die Kühe dazu, wenn sie immer Sommer auf den Weiden eine Kuhglocke tragen müssen? Solche und andere Fragen sind in dem sowohl sympathischen als auch besonderen Buch aus dem Hanser Verlag zu finden, die, zunächst einmal lustig gestellt, aber allesamt mit der gebührenden Portion Ernst und Sachkundigkeit beantwortet werden.

Noch nie hat „Dazulernen“ so viel Spaß gemacht, wie bei dem vorliegenden Buch, bei dem der Zoodirektor, Henning Wiesner, vom Münchner Tierpark Hellabrunn, mit der spielerisch-sprachlichen Unterstützung von Walli Müller, freie Hörfunk-Journalistin aus Hamburg, so einige Fragen beantwortet, die nicht nur Kinder umtreiben dürften. Denn wie schnell sagen wir „Da lachen ja die Hühner“ oder „Ich glaub´ mein Schwein pfeift!“ jedoch ohne jemals überprüft zu haben (jedenfalls wohl die meisten von uns), ob dem auch so ist. Durch den Erfolg der Radiosendung „Viecherei in Bayern 3“, die in Form von kurzen Berichten früh morgens ausgestrahlt wurde, kamen die drei Autoren – nicht zuletzt durch die illustratorische Unterstützung von Günter Mattei – zu dem Entschluss, die vielen Fragen zur „Wahrheit und Dichtung“ der Tierwelt, in einem Buch zusammenzufassen.

Über 50 Fragen wie etwa, ob Schweine Ferkel sind, ob der Deutsche Schäferhund englisch versteht, ob der Rabe wirklich klaut wie ein Rabe oder warum der Klapperstorch die Babys bringt, werden unterhaltsam und doch wissenschaftlich korrekt beantwortet. Dabei werden immer die einen oder anderen „Abstecher“ zu anderen Tierarten gemacht. So kommt der sympathische Zoodirektor schneinbar „von Höcksken auf Stöcksken“ – wie wir im Münsterland so sagen – und das macht das ganze so unterhaltsam und gleichsam lehrreich. Jedes Thema wird von allen Seiten beleuchtet. Nicht nur die gestellte Frage, sondern auch alle Aspekte, die sich darum ranken, werden aufgegriffen. So kann es sein, dass wir bei der Frage nach dem Duft des Moschusochsen auch erfahren, wie furchtbar das Stinktier stinkt und dass jeder Amerikaner weiß, dass er sein Auto wegschmeißen muss, wenn er ein solches Tier überfährt. Na, nur gut, dass wir bei dem dichten Verkehr dieser Tage so ein Tier nicht bei uns beheimaten …

Die kurzen Abhandlungen wirken mit viel Freude an den tierischen Eigenheiten erzählt – aber auch mit einer gehörigen Portion Wortwitz und viel hintergründigem Humor. Und dies ist es auch, das es Kindern unter 10 Jahren schwerer verständlich macht. Um den hintergründigen Humor dieses Buches „würdigen“ zu können, sollte das Kind schon in der Lage sein, die kleinen, humoresken „Nebenschauplätze“ zu kennen und zu verstehen – es wäre sonst nur der halbe Spaß.

Typische Kinderfragen sind es dennoch und sie werden hier einmal ganz anders, viel spielerischer beleuchtet, auf eine Weise, die den Fragenden ernst nimmt und schätzt. So ist es sicherlich auch nicht weiter verwunderlich dass auch, oder gerade, Erwachsene zu dieser unterhaltsamen und gleichzeitig lehrreichen Lektüre greifen werden.

Der sehr hochwertigen Aufmachung des gebundenen Buches mit Leinenrücken und dicken, chamoisfarbenen Seiten geben die in jeder Hinsicht besonderen Illustrationen von Günter Mattei die entscheidende optische Qualität. Durch Günter Matteis Illustrationen wirkt das Buch vom Hanser Verlag noch hochwertiger und es gibt dem scheinbar leicht erzählten und dennoch informativen Text den richtigen Rahmen.

Es handelt sich hierbei um eine Illustrationstechnik, die sich der Illustrator im Laufe seiner 25-jährigen Tätigkeit für den Münchner Zoo selbst angeeignet hat. Seine Illustrationen erinnerten mich auf den ersten Blick am ehesten an einen modernen Kupferstich. Dabei fällt neben dem bekannt Taditionellem auch das Moderne auf und man fragt sich zu Recht, womit man es zu tun hat. Einfach ausgedrückt handelt es sich, nach Aussage von Herrn Mattei selbst, um eine klassische Mischtechnik bei der Schwarz-weiß-Zeichnungen auf Papier mit flüssigen Aquarellfarben und Pastellkreiden coloriert, und am Ende für Weißhöhungen oder Bewegungseffekte noch mit Stiften oder Gouache bearbeitet werden. Die geschickt eingesetzen Pastelltöne und Hintergrundfarben machen die Darstellungen einerseits modern, die Schwarz-Weiß-Schraffuren, die, sehr akribisch angelegt, Tiefe und Formen erzeugen, muten andererseits wieder wie eine traditionelle Technik an. Die besondere Technik allein macht die Illustrationen noch nicht so„;stimmig“; – als es vielmehr, oder auch, ihr Ausdruck, bzw. der Ausdruck des jeweiligen Tieres dies vermag.

Die im nebenstehenden Text erläuterten Zusammenhänge und manche „Zote“ werden zeichnerisch ideal aufgegriffen und so entstehen oftmals die verrücktesten Darstellungen. Zum Beispiel zu der Frage, wie es sich mit den Krokodilstränen verhält, sehen wir auf der gegenüberliegenden Seite eine Gruppe von Krokodilen, die mitten in ihren heimischen Sümpfen vor einem Fernseher liegen und eine alte „Schnulze“ anschauen (es könnte sehr gut „Vom Winde verweht“ sein)- und dabei kullern ihnen dicke Krokodilstränen herab. In vielen Darstellungen scheinen die sehr naturgetreu dargestellten Tiere mit einem vielsagenden Blick in unsere Richtung zu schauen. Es wirkt manchmal wie ein Schnappschuss – eine Momentaufnahme. Dies macht die Illustrationen von Günter Mattei auch gleichzeitig so humorvoll. Kurz: Die Illustrationen von Günter Mattei heben sich entscheidend von anderen aktuellen Darstellungsformen in Kinderbüchern ab und sie sind, auch nach Aussage des Künstlers selbst, wohl einzigartig.

Auch die Entscheidung, zu jeder Frage, der stets eine ganze Seite gewidmet wird, immer auch eine ganzseitige Illustration gegenüberzustellen, macht dieses Buch so attraktiv, so lesens- und auch sehenswert.

Fazit:

Dieses vergnügliche Frage- und Antwort- Buch für Tierfreunde und alle anderen Neugierigen ist auch für Erwachsene zur lehrreichen Unterhaltung geeignet – hat man einmal angefangen, in diesem Buch zu „schmökern“ mag man es nicht mehr aus der Hand legen, denn auch die nächste Frage scheint doch sehr interessant …dabei wirken die Texte – unterstützt von den zahlreichen und beeindruckenden Illustrationen – niemals trocken, sondern vielmehr voller Wortwitz und Gefühl für komische Zusammenhänge, was das Weiterlesen nur noch verführerischer macht. Trotz des Schalks, den das Autorenteam im Nacken zu haben scheint, wird stets zum ernsten Kern der Sache zurückgekehrt. Und apropos „Schalk im Nacken“ : Wie der der dort hingekommen sein mag, wurde in diesem Buch nicht beanwortet, aber die Antwort zu diesem Sprichwort findet sich ja leider nicht im Tierreich …

Stefanie Eckmann-Schmechta

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