Alex Bauermeister

03 | 2020 Sigrid Tinz im Gespräch mit Alex Bauermeister, Autorin des Buches „Hände vors Herz“.

Kindern fällt es sehr viel leichter als Erwachsenen, sich intuitiv zu bewegen.

Kinderbuch-Couch.de: Sie sind Yogalehrerin und haben das Buch in Zusammenarbeit mit ihrer kleinen Tochter entwickelt und geschrieben. Erzählen Sie uns, wie genau das abgelaufen ist?

Alex Bauermeister: Meine Tochter Aviva war meine hauptsächliche Assistentin bei der Arbeit an diesem Buch, obwohl sie die dabei die meiste Zeit in einem Babykorb an meiner Brust geschlafen hat. Sie war eine unglaubliche - und riesige - Inspiration. Wenn sie aufgewacht ist, habe ich ihr die Rohfassungen vorgelesen um abzustecken, wie lange meine Reime ihre Aufmerksamkeit binden konnten.

Kinderbuch-Couch.de: Alle Übungen sind sehr niederschwellig und spielerisch präsentiert, den „Hund“ oder die „Kobra“ erkennt man aber doch als typische Positionen. Warum haben Sie genau diese beiden ausgewählt?

Alex Bauermeister: Da ich mit Aviva Kleinkind-Yogakurse besuche, habe ich schon oft miterlebt, wie schnell Kinder manche Positionen lernen und behalten können. Das ist wirklich erstaunlich. Für Kinder scheinen Tiere eine Art universelle symbolische Sprache darzustellen – es lag also nahe, so etwas einzubauen. Ich wollte mich auf die Übungen konzentrieren, die auch meine Kleine nachmachen kann.

Kinderbuch-Couch.de: In Ihren Reimen beschreiben Sie die Anleitungen so leichthin, dass man das Gefühl hat, es sei ganz einfach. Kann man da wirklich nichts falsch machen, und das Kind darf sich recken und strecken wie es möchte, Hauptsache es fühlt sich gut?

Alex Bauermeister: Kindern fällt es sehr viel leichter als Erwachsenen, sich intuitiv zu bewegen. Meiner Erfahrung nach können Kinder sich nach Herzenslust verbiegen, und ihre Körper finden Gefallen an der Abwechslung. Zu den meisten Verletzungen kommt es beim Yoga dann, wenn Leute nicht auf die Signale ihres Körpers hören. Zum Glück haben die meisten Kinder den guten Draht zu ihrem eigenen Körpergefühl noch nicht verloren, wie es bei Erwachsenen oft der Fall ist, die ihn dann mithilfe von Yoga wiederentdecken müssen.

Kinderbuch-Couch.de: Viele Yogaübungen haben ja Tiernamen, und Tiere sind es auch, die in den Illustrationen die Übungen darstellen. Hat es eine Bedeutung, warum Sie Hase, Maus oder Fischotter zum Beispiel ausgewählt haben? Oder ist es Zufall und sind es Ihre Lieblingstiere? Oder die Ihrer Tochter?

Alex Bauermeister: Unsere wunderbare Illustratorin Flora Waycott hat meine Worte zum Leben erweckt. Sie hat auch die Tiere für das Buch ausgewählt. Meine Tochter liebt sie alle. Ich bin sehr dankbar, dass Flora diese Fähigkeit hat, mittels Tierfiguren eine Verbindung zu Kindern aufzubauen.

Kinderbuch-Couch.de: Im Familienalltag ist es ja oft so, dass Kinder genau dann gar nicht bereit sind, sich auf Entspannung einzulassen, wenn wir Eltern meinen, sie könnten es jetzt gut gebrauchen. Wie ist Ihre Empfehlung, das Buch zu nutzen und in den Alltagsablauf richtig einzubinden?

Alex Bauermeister: Jedes Kind hat seine eigene Persönlichkeit und seine eigenen Vorlieben, es gibt also keine Garantie, dass man sein Kind dafür begeistern kann, seinen Körper achtsam zu bewegen und stressreduzierende Atemtechniken zu erlernen. Aber es gibt Mittel und Wege, Yoga und Achtsamkeit innerhalb der Familie zu fördern. Zum Einen imitieren Kinder die Erwachsenen in ihrem Leben – also können wir mit gutem Beispiel vorangehen, indem wir uns mit Konzepten des Yoga selbst regulieren und präsenter machen. Ein eigener Zugang zu Yoga (eine uralte Methode, menschliches Leid zu lindern) kann dessen Prinzipien, Werte und Praktiken im Alltag verankern. Zum Anderen kann man dieses Buch mit seinen Kindern lesen, wenn sie noch ganz klein sind. Dann verstehen sie vielleicht die Worte noch nicht, aber sie reagieren auf die Farben, die Tierbilder und die Körpersprache des Vorlesenden. Zu guter Letzt: dem Kind entgegenkommen. Was findet es toll? Was ist ihm wichtig? Man sollte versuchen, die Sprache des Kindes zu sprechen – nur so kann man es optimal unterstützen bei der Entdeckung seiner persönlichen Werkzeuge, mit denen es Resilienz aufbauen und den Stürmen des Lebens trotzen kann.

Das Interview führte Sigrid Tinz im März 2020.
Fotos: © Alex Bauermeister / cbj-Verlag

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