Timo und Pico ziehen um

Erschienen: April 2012

Couch-Wertung:

82%
Idee
Bilder
Text

Idee

die phantasievolle Idee ist gepaart mit einer realen Situation, bei der Kuscheltier Pico als Stellvertreter fungiert.

Bilder

Die warmen und hellen Illustrationen geben eine positive Grundstimmung wieder und zeigen sehr gut die Emotionen der Darsteller und visualisieren sehr lebhaft die Geschichte

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Kindgerecht verfasst, gute angemessene Wortwahl, leicht verständlich geschrieben

Leser-Wertung

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Apr 2012

Timo und Pico sind die dicksten Freunde, die es gibt. Doch welche Veränderungen wird der bevorstehende Umzug mit sich bringen?!

Pico ist Timo's allerliebster Kuschelmuschelfreund. Er ist so eine Art von Kuscheltier, das einfach immer für einen da ist. Doch als Timo mit seinen Eltern umziehen muss, spiegelt Pico sehr schön, die kindlichen Fragen und Ängste wider.

Zu allererst will Pico nicht umziehen. Er lehnt es ab, aus seinem gewohnten Umfeld gerissen zu werden und sich neu in einer unbekannten Umgebung einzugewöhnen. Timo übernimmt hierbei die Rolle des Erwachsenen und spricht Pico gut zu. Pico hingegen ist trotzig, wie eben Kinder in solchen Situationen sind. Er findet alles doof. Egal ob es die Sonne ist, die viel öfter scheinen wird, die Bäume die gut zum Klettern geeignet sind, die himmelblaue See oder aber das ganz große Haus. Für alles weiß Pico einen Einwand. Und vor allem hat er Angst davor, dass Timo viele neue Freunde finden und ihn nicht mehr brauchen wird.

Pico zeigt mit "Pico und Timo ziehen um" sehr schön das emotionale Auf-und-Ab, das Kinder durchmachen, wenn ein so wichtiger Einschnitt, wie ein Umzug, in ihrem Leben bevor steht. Stellvertretend für Timo sitzt Pico grummelig in der Ecke und will weder beim Einpacken noch beim Zusammenräumen helfen. Vor allem beschäftigen ihn die neuen Freunde. Er hat Angst, dass diese viel schöner, stärker oder sogar schon schwimmen können und er deshalb für Timo nicht mehr interessant ist. Timo kümmert sich sehr liebevoll und einfühlsam um sein Kuscheltier und versucht ihm - und damit auch sich selbst - die Angst vor dem Unbekannten zu nehmen.

Die Situation im Auto löst die Spannung schön auf, da Pico auf Timos Schoß sitzt. Auch wenn sie nichts mit einander sprechen, fühlt sich Pico in diesem Augenblick sehr wohl und spürt, dass Timo ihn nicht im Stich lässt. Auch im Text wird diese Situation mit dem fettgedruckten Satz: "Aber er hält ihn ganz fest im Arm." deutlich gemacht. So wird die große Unsicherheit, die mit einem Umzug und einem Neustart verbunden auf sehr einfühlsame Weise verringert.

Auch ihre ersten gemeinsamen Schritte in der neuen Umgebung beginnen viel versprechend. Pico ist froh darüber, dass er abends mit Timo gemeinsam im Bett schlafen darf, sowie fällt die erste Erkundungstour sehr positiv aus. Beide haben sehr viel Spaß zusammen, ob es nun beim Bäume klettern oder beim Verstecken im Haus ist. Dies alles ist aber nur so lange gut, da keine neuen Freunde in Sicht sind. Doch der nächste Tag und der erste Tag im Kindergarten nahen. Natürlich darf Pico auch hier mitgehen, doch beim dem Anblick der vielen Kinder wird ihm ganz unwohl. Als Timo dann auch noch gleich mit einem Mädchen Freundschaft schließt und gemeinsam eine tolle Stadt aus Holzklötzen baut, fühlt sich Pico gar nicht wohl. Doch dies währt nicht lange, denn zu Picos Überraschung hat das Mädchen auch ein Stofftier dabei, das Pico sehr ähnlich sieht und siehe da, die Beiden schließen Freundschaft. Alle vier verstehen sich so gut, dass sie am Ende des Kindergartens gar nicht nach Hause gehen wollen.

Kinder können es sich oftmals nicht aussuchen, ob sie umziehen wollen oder nicht. Sie müssen einfach. So ist es ganz natürlich dass viele Emotionen dabei hervorkommen. Hierbei wird die Unsicherheit und die Angst vor dem noch unbekannten Umfeld ganz auf das Stofftier projiziert, Timo darf hier der Vernünftige und Tapfere sein. Dabei durchlebt Pico stellvertretend für ihn, was Timo eigentlich beschäftigt. Durch die eher beobachtende Position Timos erlangt der Junge - und damit auch der Leser - eine neutrale Position, die es ihnen erlaubt, die Dinge von einer gewissen Distanz heraus zu beobachten und zu bewerten. Ob diese Position Kindern hilft, sich in ihrer konkreten Situation angesprochen und verstanden zu fühlen, ist jedoch für mich ein wenig fragwürdig. Auch wird im Verlauf der Geschichte nicht ganz klar, ob sich Kinder nun eher mit dem Kuscheltier oder mit dem Kind Timo identifizieren können.

Zugute halten möchte ich dem Bilderbuch von Anke Wagner jedoch, dass sie viele der typischen Emotionen sehr treffend anspricht und aus zwei Perspektiven beleuchtet, so dass Kinder sich einerseits mit dem ängstlichen Pico identifizieren können und andererseits mit dem positiv denkenden und hoffnungsfrohen Timo. Sicherlich werden auch sie im Gespräch mit ihren Eltern - die in dieser Geschichte nur ganz am Rande vorkommen - und anderen Menschen in ihrem Umfeld ähnliche Unterhaltungen haben. Letztlich zeigt schließlich erst die Zeit nach dem Umzug, wie gut oder wie schwierig diese Lebensumstellung gelingt.

Auch ein kleines Manko für mich ist die neu gefundene Freundschaft der Kinder. Das ist zwar zum Ausgang der Geschichte hin sehr positiv; dass das Mädchen jedoch zufälliger Weise das gleiche Kuscheltier dabei hat, wirkt sehr auf Sonnenschein gelenkt.

Die Illustrationen von Eva Erikson, die bereits einige sehr erfolgreiche Titel von Ulf Nilsson auf ihre unverkennbar leichte und zugleich ausdrucksvolle Weise illustriert hat,

(Rezensionen auf der Kinderbuch-Couch: www.kinderbuch-couch.de/nilsson-ulf-die-besten-beerdigungen-der-welt.htmlwww.kinderbuch-couch.de/nilsson-ulf-als-wir-allein-auf-der-welt-waren.html
www.kinderbuch-couch.de/nilsson-ulf-als-oma-seltsam-wurde.html)

begleiten die Geschichte auf lebendige Weise. Dabei ist es ihr auch dieses Mal gelungen, die Kinderwelt so wohltuend normal in Szene zu setzen, dass sich Kinder ab vier Jahren mühelos in Picos und Timos Welt zurechtfinden. Dabei achtet Eva Erikson sehr auf die Stimmungen und die Spannungen im Zwiegespräch der beiden Freunde, die sie mit wenigen Strichen einfängt. Die heiteren, klaren Aquarelle vermitteln dabei eine positive Grundstimmung, sie wecken bei den jungen Lesern ein Gefühl von Zuversicht und Geborgenheit.

Fazit:

Für Kinder, die ein enge Freundschaft mit ihrem Kuscheltier verbindet, ist dieses Buch sicherlich eine Aufmunterung, sich in der schwierigen Zeit des Umzugs durch ihren plüschigen Freund mitzuteilen. Dennoch sollte man abzuwägen, denn der emotionale Fokus liegt hier sehr auf dem Stofftier. Kinder ohne diesen Bezug könnten es daher schwierig finden, sich in diese Stellverteter-Position hinein zu versetzen.

Eva Wimmer

 

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