Vom Großwerden und Starksein

Erschienen: Mai 2005

Couch-Wertung:

84%
Idee
Bilder
Text

Idee

Nutzt man diese Geschichten als Gesprächsanlass, können die lebensnah dargestellten Situationen eine wirkliche Hilfe bei so manchem Problem sein. Die Hauptpersonen dieses Kinderbuches wirken schnell vertraut.

Bilder

Die Bilder dieses Kinderbuches geben in den verschiedensten Szenen die Gefühle wieder, die in den dazugehörigen Geschichten umrissen werden. Die Zeichnerin versteht es, die Kinder durch ihre Bildsprache anzusprechen.

Text

Lebensnahe Sprache und kurze, prägnante Sätze machen die Texte gut verständlich und trotz aller Kürze werden die Situationen und deren Problematik deutlich.

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Mai 2005

Die Autorin Jana Frey gibt mit diesem Kinderbuch nicht nur einen Einblick in die kindliche Gefühlswelt, sondern hilft auch den großen Lesern, Kinder so manches Mal besser zu verstehen, um die Welt auch mal aus einer anderen Sichtweise betrachten zu können.

Das Kinderbuch aus dem Loewe- Verlag bietet eine Bandbreite von unterschiedlichen Alltagssituationen. Gegliedert in vier große Themenbereiche, finden wir jeweils neun kurze Szenen.

Da ist zum Beispiel der Bereich ";Geschichten, die stark machen, Nein zu sagen";. Hier geht es um die kleine Lotta. Das Mädchen muss sich in jeder Erzählung in ganz unterschiedlicher Art und Weise behaupten. Sie muss zum Beispiel durchsetzen, dass nicht jeder einfach ins Badezimmer kommt, wenn sie baden möchte, oder, dass sie in ihrem Zimmer auch mal in Ruhe spielen kann, ohne dass die Schwester ohne anzuklopfen herein kommt. Und welches Kind kann Lotta nicht verstehen, dass sie die nicht enden wollenden Küsse von Onkel, Tanten, Omas und Opas einfach nicht mehr ertragen kann. Lotta schafft es auch in dieser, nicht ganz einfachen, Situation, Nein zu sagen. Sogar zu dem Besitzer des Zooladens, in dem Lotta immer das Futter für ihren Wellensittich einkauft, sagt Lotta ganz mutig Nein, als der sie küssen will. Als Mama und Papa das hören, wissen sie erst, wie mutig ihre kleine Tochter ist.

Durch den zweiten Themenbereich begleiten uns die Zwillinge Emil und Emilia. Hier finden wir neun ";Geschichten, die stark machen für den ersten Schultag";. Es geht zunächst darum, dass die Geschwister dem älteren Cousin Gustav die kalte Schulter zeigen, denn der behauptet immer, er sei viel besser, als Emil und Emilia, und dass nur, weil er schon in die Schule geht und schreiben und lesen kann. In einer anderen Geschichte dieses Themenbereiches zeigen die Zwillinge nämlich dann auch, was Kindergartenkinder schon alles können. Wie zum Beispiel eine Burg oder einen Kaninchenstall bauen.Und als Opa in der nächsten Geschichte mit den beiden losgeht, um Schulranzen zu kaufen, fühlen sich die zwei schon ganz schön groß. Dem wichtigen Ereignis ";Der letzte Tag im Kindergarten"; ist unter diesem Titel eine eigene Geschichte gewidmet, denn Emilia ist nun doch traurig, dass sie nicht mehr in den Kindergarten gehen darf. Aber die Erzieherin sagt ihr, dass sie jederzeit gerne zu Besuch kommen darf. Natürlich fehlt in diesem Themenbereich nicht der erste Schultag, an dem die Zwillinge natürlich ganz aufgeregt sind. Dann aber merken sie, dass die Schule trotz der vielen fremden und neuen Dinge Spaß macht.

Um die mutige Lina geht es bei dem dritten Thema. ";Geschichten, die stark machen, bei Furcht im Dunkeln"; machen uns mit der fünfjährigen Lina bekannt, für die es nichts schlimmeres gibt, als die Dunkelheit. Im Verlauf der neun Erzählungen wird Lina immer wieder mit ";dunklen"; Situationen konfrontiert. Ob es jetzt ein Stromausfall ist, aufgrund dessen Lina nicht ihre vier kleinen Nachtlichter brennen lassen kann, sondern bei Kerzenschein einschlafen muss, oder der Martinsumzug des Kindergarten, bei dem plötzlich leuchtende Monster auftauchen, welche sich aber als Laternen von Schulkindern entpuppen. Die dargestellten Situationen erfordern von Lina viel Mut. Auch die Nacht, die sie bei Oma und Opa ohne ihre Nachtlichter verbringen muss, weil sie die zu Hause vergessen hat, meistert Lina mit Bravour und stellt in so mancher ";dunklen"; Stunde fest, dass die Dunkelheit eigentlich gar nicht so schlimm ist und dass sie ihre Angst manchmal auch einfach austricksen kann, wie in der Geschichte, in der sie mit ihrer Freundin Sofia in den Keller gehen muss, um etwas heraufzuholen. Im Keller gibt es nur eine Glühbirne und die geht plötzlich aus, als die beiden gerade unten sind. Doch die beiden haben nur kurz Angst, denn Sofia weiß, dass die Angst verschwindet, wenn man ganz laut anfängt zu singen.

Der vierte Themenbereich rankt sich um Mia und ihren kleinen Bruder Max, denn hier geht es nun um ";Geschichten, die stark machen für das Geschwister- Sein";. Hier erfahren wir, wenn wir es nicht selber schon gemerkt haben, dass Geschwister- Sein manchmal gar nicht so einfach ist. Mia und Max sind ein ganz normales Geschwister- Paar, das sich zwar häufig streitet, sich aber, wenn es drauf ankommt sehr lieb hat und zueinander hält. So beschützt Mia ihren Bruder vor den Zwillingen aus dem Nachbarhaus, obwohl Max seine Schwester vorher ganz schön genervt hat und die beiden sich heftig gestritten haben. In einer anderen Geschichte zeigen uns Mia und Max, wie schön es sein kann, wenn Geschwister zusammen halten. Die beiden sind alleine zu Hause und hören unter ihrem Etagenbett plötzlich ein unheimliches Geräusch. Max flüchtet sich schnell zu Mia ins obere Bett und gemeinsam warten die beiden, unter Mias Bettdecke gekuschelt, bis Mama und Papa wieder kommen. Die Erzählung ";Das Trostpäckchen"; zeigt, was für ein tolles Team Geschwister bilden können, wenn sie sich einig sind. Max hat sich im Kindergarten den Arm gebrochen und hat daraufhin von Oma ein Päckchen geschickt bekommen. Mia ist sehr wütend, denn sie kann nicht einsehen, warum Max alles bekommt und es so gut hat. Doch ihre Wut dauert nur so lange, bis der kleine Bruder sie ansieht und sie zum Mitspielen einlädt. Die beiden teilen alle Geschenke aus dem Päckchen und spielen dann gemeinsam.

Das Kinderbuch ";Vom Großwerden und Starksein"; aus dem Loewe- Verlag bietet vieles. Oberflächlich gesehen finden wir hier kurze Geschichten, die unterhaltsam sind und Spaß machen. Doch das ist nicht alles, was man aus diesem Kinderbuch mitnehmen kann. Die Situationen, die die Kinder erleben laden zum Nachdenken und Reden ein. In allen hier vorgestellten Lebenslagen brauchen die Hauptdarsteller Mut und eine gehörige Portion Selbstvertrauen, um sich zu behaupten oder Grenzen zu setzen. Die Autorin zeigt mit diesem Kinderbuch, dass auch Kinder ";Nein"; sagen müssen und dass nicht nur die Eltern Grenzen stecken dürfen. Die Autorin macht durch ihre Kurzgeschichten deutlich, dass Kinder keine kleinen Erwachsenen sind. Unsere Kleinen sind viel öfter mit unbekannten Situationen konfrontiert, als wir das sind. Mit diesen Situationen müssen sie erst noch lernen auf ihre eigene Weise umzugehen. Dass dies nicht immer einfach ist, müssten wir ";Großen"; eigentlich aus eigener Erfahrung wissen. Dieses Kinderbuch hilft uns dabei, auch die Sichtweise der Kinder mal wieder genau zu überdenken.

Die Hauptdarsteller in den Geschichten sind Lotta, Lina, Mia und Max und die Zwillinge Emil und Emilia. Kinder von nebenan, die normaler kaum sein könnten und in ihrer Art doich wieder ganz unterschiedlich sind. Besonders überzeugt dieses Kinderbuch durch Lebensnähe und Alltagstauglichkeit. Lina ist zum Beispiel nicht das einzige Mädchen, das im Dunkeln Angst hat und Emil und Emilia fiebern nicht nur für sich, sondern stellvertretend für etliche Kindergartenkinder dem ersten Schultag entgegen. Genauso Lotta. Dieses Mädchen wird nicht das Erste und nicht das Letzte sein, welches sich immer und immer wieder bemüht, wenn schon nicht gleichwertig, dann aber zumindest nicht gleichgültig behandelt zu werden. Und Max und Mia schließlich stellen ein Paradebeispiel eines Geschwisterpaares dar: ";Sie schlagen sich und sie vertragen sich";. Und das ganz ohne Eingreifen von ";besorgten"; Erwachsenen.

Die Tipps, die Jana Frey zu jedem Themengebiet in einem, an die Eltern adressierten, Brief gibt, dienen als Hilfestellung oder als Denkanstoss und sind nicht nur leicht verständlich, sondern sie sind auch im hektischen Alltag anwendbar.

Jede Erzählung umfasst eine Doppelseite und ist farbig illustriert. Die jeweiligen Darstellungen begleiten die Geschichte und verstehen es, die Stimmung der Erzählungen wiederzuspiegeln. Man sieht den dargestellten Personen deutlich an, ob sie zufrieden, ängstlich, wütend oder unglücklich sind. Zum wiederholten Mal zeigt uns die Illustratorin Betina Gotzen- Beek, dass sie es versteht, Bilder durch Farben und Atmosphäre angenehm zu gestalten und dieses Kinderbuch durch ihre Zeichnungen zu bereichern. Gelungen sind auch die kleinen Details in den Bilder, die oft erst beim zweiten Hinsehen auffallen.

Fazit:

Die Kurzgeschichten in ";Vom Großwerden und Starksein"; liefern situative Beobachtungen von Kindern in ihrem Alltag und werden mit viel Geschick und Alltagsnähe aufgebaut. Das Kinderbuch kann Eltern und Kinder stark machen für die täglichen, nicht immer ganz einfachen, Herausforderungen, die das Leben bereithält. Zudem bietet es einen schönen Gesprächsanlass für die gesamte Familie.

Simone Brinkschulte

Vom Großwerden und Starksein

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