Couch-Wertung:

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Idee
Bilder
Text

Idee

Das aufmüpfige Kind, das nicht den starren Regeln der Erwachsenen folgt, sondern seinen Träumen, ist ein viel verwendetes Bilderbuchthema. Hier in Gestalt eines fröhlichen, frechen, kleinen Schneemanns, der Winterstimmung verbreitet.

Bilder

Ausdruckstarke Möhrengesichter in doppelseitigen wattig-weichen Schneelandschaften; die Szenerie ist beinahe immer gleich, was die Stimmungsänderungen durch Farben und Schattierungen besonders betont.

Text

Zwei, drei Absätze pro Doppelseite: Lebensnahe Dialoge, Selbstgespräche von Ben, dem Schneemann, die zum Nachdenken anregen, Bewegung und Lautmalerei – leicht und mit viel Spaß vorzulesen .

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Feb 2014

Es ist Winter. Irgendjemand baut einen Schneemann, genannt Ben. Der darf sich fortan nicht mehr bewegen. Das sei schon immer so gewesen, bescheiden ihm seine Mitschneemänner. Eines Tages tut er es aber einfach trotzdem. Und tobt und tanzt durch die verschneite Winterwelt.

Auf dem Innendeckel geht es los mit einer Reihe von kleinen Bildern: Kugel für Kugel wächst hier neben drei Tannen ein Schneemann heran: mit Möhrennase und blauer Mütze, mit einem Schal und einer Gabel in die Hand. Und dann steht er da, Bildchen für Bildchen: es wird Tag und Nacht, es schneit mal stärker und mal weniger, der Schneemann schaut mal nach links und mal nach rechts - halt - das geht doch gar nicht! Ein Schneemann kann sich nicht bewegen. Oder etwa doch?

Genau darum geht es in diesem Buch - blättern wir mal rein.

Ben, so heißt der Kleine mit der blauen Mütze steht mit drei andern Schneemännern, einem alten Fahrrad und ein paar Büschen auf einer doppelseitigen hügeligen wattig-weichen Winterwelt. Die Konturen sind verwischt, die Farben ineinander getupft, was diesen Eindruck noch verstärkt. (Und Lust macht auf Schneeballschlachten, Schlittenfahren und heißen Kakao für hinterher.)

Die Szenerie bleibt erst mal gleich auf den nächsten Seiten, nur kleine Änderungen bei Perspektive, Licht und Stimmung sind zu entdecken.

Ein langsamer Start - aber keinesfalls langweilig - denn in Bens Gedanken passiert eine Menge. Das sieht man in seinem Gesicht, dass er mit seinen Kohleaugen und seiner Möhrennase eine ausdrucksstarke Mimik hinbekommt. Und das liest man im Text. Er will sich so gern bewegen! Er denkt darüber nach, warum Schneemänner das nicht tun. "Das war schon immer so und muss immer so bleiben", erklären seine beiden Nachbarn, der barsche Schneesoldat und der sanftere Herr Zylinder, ihm: Halt dich einfach an die Regeln, tanz' nicht aus der Reihe, sonst passiert was Schlimmes - du wirst schmelzen.

Doppelseitige Großaufnahme von Bens bedröppeltem Gesicht, die Worte vom Zylindermann: "Du gewöhnst dich dran."

Die kleinen Leser und Leserinnen fühlen mit, kennen sie das doch auch, geschimpfte oder honigmilde vorgebrachte Maßregelungen: "Der Schnee ist nass, kalt, dreckig, du holst dir eine Lungenentzündung, steh auf, pass' auf mit dem Schlitten, sonst brichst du dir den Hals."

"Aber ich will mich nicht daran gewöhnen!" ruft Ben. Und dann wirft er seine Gabel weg und bewegt sich drauf los und auch die Sprache, die vorher von Dialogen und Selbstgesprächen geprägt war, kommt in Bewegung: er rennt, hüpft, tanzt, springt, purzelt, rutscht, tobt, wirft mit Schneebällen. Er schnappt sich das Fahrrad und fährt durch die Winternacht, fährt und fährt, bis er auf einer weißen Ebene ganz viele tanzende Schneemänner trifft: Er ist im Eisland angekommen, der Heimat der Schneemänner. Ein weiser, alter Schneemann, Alfred, erklärt Ben, dass hier keiner Angst haben muss, zu schmelzen und dass das in Wahrheit sowieso nur die Frühlingssonne bewirken kann und nicht aufmüpfiges Verhalten. Dass viele Schneemänner festgefroren sind, weil sie sich nie bewegt haben und nicht umgekehrt. Und dass sie sich nicht bewegen, weil sie Angst haben vor jeder Veränderung.

Das ist natürlich eine sehr große Botschaft für kleine Kinder: dass man zu sich selbst stehen soll, seine eigene Meinung haben darf und seine Träume nicht aufgeben soll. Dass man nicht aus Angst vor Veränderung stehen bleiben darf, schon gar nicht, wenn man sich da nicht wohl fühlt. Eine schöne Botschaft, sicherlich - die bei den Kleinen so plakativ sicher nicht ankommt, aber als ermutigender "wind of change" zwischen den Zeilen bestimmt.

Am Schluss beschließt Ben, wieder nach Hause zu gehen und seinen Kameraden alles zu erzählen. Und dann schlägt man die Seite um ... - und da ist nichts mehr.
Das verdattert uns erwachsene Vorleser mehr als Kinder. Hätten wir doch die Moral von der Geschichte gerne zu einem Abschluss gebracht. Denn wie es ausgeht, ist ja gar nicht klar. Vieles ist möglich: Dass die anderen beiden Ben wieder wegschicken; denn wer sich nicht an die Regeln hält darf nicht mitmachen. Oder dass sie sich freuen, dass er wieder da ist, aber schimpfen. Oder fragen, ob er nach seinem Ausflug jetzt wieder vernünftig sein kann. Dass sie ihn in Therapie schicken, ihm Tabletten geben. Oder dass sie sich freuen über das, was Ben zu erzählen hat. Und mit ihm durch den Schnee tanzen und dann alle auswandern ins Eisland, rechtzeitig, bevor die Frühlingssonne sie zum Schmelzen bringen kann?

Das Buch eignet sich übrigens prima, um sich mit Kindergruppen darüber zu unterhalten - die großen Motive der Illustrationen kann man auch in der zweiten Reihe noch gut erkennen. Wenn die Kinder mögen, heißt das. Vielleicht haben sie aber auch einfach Lust, die Geschichte vom Schneemann Ben, der so viel Spaß im Schnee hat, noch mal zu hören und noch mal... Und falls es doch mal schneit: selber durch den Schnee zu toben. Einfach so, ohne Ermahnungen.

Fazit:

Die Geschichte von Ben, dem kleinen Schneemann ist eine langsame, fröhliche und nachdenkliche Geschichte mit einer starken Botschaft, die zwischen den Zeilen immer mitschwingt und viele Anknüpfungspunkte für Gespräche bietet. Wem das zu viel ist, der genießt einfach die herrliche Winterstimmung der Bilder und den lustigen kleinen Schneemann Ben bei seinem abenteuerlichen Ausflug.

Sigrid Tinz

 

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