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Idee
Bilder
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Idee

Die Geschichte der Luftfahrt wird für eine Maus und viele Leser zum Abenteuer. Die spektakuläre Atlantiküberquerung eines Nagetiers dient dem jungen Charles Lindbergh als Inspiration. Was für eine Idee!

Bilder

Beeindruckende Bilder! Geniale Lichtführung! Fotorealistische Gemälde in Sepia- und Brauntönen. Fotocollagen, Zeitungsausschnitte, Stadtansichten entführen in das beginnende 20. Jahrhundert…

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In kurzen Kapiteln erzählt Kuhlmann das Märchen einer kleinen Maus, welches zur Vorgeschichte einer „Legende der Fliegerei“ wird. Eine erfahrungsnahe teils lautmalerische Sprache; keine direkte Rede.

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Jul 2014

Ausgezeichnet mit dem Kinderbuch-Couch-Star* -
Kinderbuch des Monats 7.2014

Der Traum vom Fliegen, der Traum von Freiheit und der Traum von einer neuen Welt - es sind die großen Menschheitsträume, die das Leben einer Maus bestimmen. So ist es zumindest in Torben Kuhlmanns Erstlingswerk - einem absoluten Ausnahme-Buch, das die Begeisterung von Groß und Klein, von Kritikern und Sammlern, von Ingenieuren und Künstlern auf sich zieht. Ausgezeichnet u.a. von der Stiftung Buchkunst tummelt sich die neue Graphic Novel auf diversen Bestenlisten. Und zwar mit Recht, denn "Lindbergh" ist ein Buch, das Schlagzeilen macht:

"Eine alptraumhafte Erfindung" hat die Mäuse aus der Stadt vertrieben. Der Hanseanzeiger titelt "Es klappt" - die Mausfalle ist erfunden. Die Hoffnung der letzten Maus ganz Hamburgs: ihre Freunde könnten ins Land der großen Träume, ins Land der Freiheit, nach Amerika übergesetzt haben. Klar, dass sie hinterher muss! Der Hafen aber wird von den Katzen bewacht und nur knapp gelingt die Flucht in die Kanalisation. Da geht der Maus in der tiefsten Dunkelheit ein Licht auf: vor ihren Augen entfaltet eine Fledermaus ihre Flügel. Genial! Sie muss das Fliegen lernen!

Die kleine belesene Maus wird vom Erfinderfieber gepackt. Mit einem abgebrannten Streichholz zeichnet sie erste Skizzen. Papierflügel nach dem Vorbild der Fledermäuse schaffen es nicht sie in der Luft zu halten. Beinahe kommt die Maus unter die Räder, als sie von der Uhr in der Bahnhofshalle segelt. Der Dampf der Lokomotiven wird zur Inspiration. Die technischen Zeichnungen werden komplexer. Die Mittel bleiben einfach: ein Feuerzeug, Zahnräder, Metall und Schrauben. Voilà, ein Dampfmotor. Flügel und Ruder dran: Eine "raffinierte Flugmaschine". Sie schafft es aber leider nur in die Zeitung: "Hamburgs fliegende Maus gesichtet!" "Sensation! Tollkühne Maus mit Flugapparat" - dieser aber zerschellt noch vor der Elbe auf dem Gehweg, da hilft auch die professionell aussehende Fliegerbrille nichts.

Sensationelles Scheitern ist kein Grund aufzugeben! Die Maus verbessert den Motor und setzt das Gestell auf Räder. Vor den Fenstern lauern die Eulen, die von der kleinen Leckerei in der Zeitung gelesen haben. Sie wirken bedrohlich, haben einen starr-fixierenden Blick und warten nur darauf im Sturzflug herab zu sausen. Eines Tages zieht die Maus ihr Fluggerät durch die Straßen und erklimmt - patschnass vom Regen - den Kirchturm. Das Bild der Maus umgeben von Zahnrädern vor dem Ziffernblatt der Turmuhr lässt an Scorseses "Hugo Cabret" denken, an den man sich wiederholt visuell erinnert fühlen kann. Und dann: hebt die Maus ab, entwischt nur knapp den Eulen und: schafft als erste einen "Alleinflug" über den Atlantik. In den USA wird sie wie der andere Lindbergh als Held empfangen.

Eine Klammer bilden zwei ganzseitige Bilder: zu Beginn war die Maus umringt von mit Käse bestückten Mausefallen, in New York wird das Flugzeug umzingelt von neugierigen Mäusegesichtern. Ein Traum ist Wirklichkeit geworden! Vom diebischen Nagetier wird die Maus zu einem bekannten Piloten und zieht mit einer eigenen Flugschau durch die USA. Fasziniert steht der junge Charles Lindbergh vor dem Plakat und umklammert seinen Papierflieger: auch er will fliegen, er teilt die großen Träume der kleinen Maus.

So geht es ihm nicht allein. Torben Kuhlmann, der Autor und Illustrator von "Lindbergh", erfüllt sich sicher einen Kindheitstraum, wenn er seine Biographie im "Abspann" direkt hinter jene von Lilienthal, den Gebrüdern Wright und Lindbergh setzen darf. Mit seiner Abschlussarbeit an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg beweist er sich damit nicht nur als hochtalentierter Illustrator, sondern mogelt sich klammheimlich in die Geschichte der Luftfahrt. Und dann setzt er auch noch nach Amerika über: denn kürzlich ist die englische Fassung des Bandes bei NorthSouth Books in New York erschienen und es gab eine Autogrammstunde im National Air und Space Museum in Washington D.C. - wo auch die "Spirit of St. Louis", der Flieger von Charles Lindbergh, ausgestellt ist.

Wie hat "Lindbergh" es nun nach Übersee geschafft? Nicht mit einem komplizierten Fluggerät, sondern mit Flügeln aus Papier. Mit Buchseiten. Mit Bildern, die es auf grandiose Art und Weise schaffen das Flair des beginnenden 20. Jahrhunderts einzufangen. Von Illustrationen kann man hier eigentlich nicht mehr reden - deshalb wird der Band auch gerne dem Genre der Graphic Novel zugeordnet. Die Bilder sprechen ihre eigene Sprache, vermeiden es den Text zu verdoppeln und stehen teils auf ganzen Doppelseiten für sich.

Man fühlt sich in eine andere Zeit versetzt. Wodurch? Durch die Farbgestaltung (Sepia- und Brauntöne), durch die detailgenaue und teils fotorealistische Darstellung und durch die ständig präsenten Medien: Zeitungsausschnitte, Collagen von alten Fotographien mit weißem Rand, eine altertümliche Schreibmaschine der Marke "Flieger". Stadtansichten aus der Luft, alte Transportmittel und Menschen, die zu einer homogenen Masse aus schemenhaft erkennbaren Männern mit Hüten werden. Atmosphäre gewinnen die Bilder durch die schimmernde Lichtgestaltung, die durch den gekonnten Einsatz von Aquarellfarben gelingt.

Ein Making-Of zur Gestaltung des Covers - welches die kleine Maus mit Fluggestell und Fliegerbrille auf der Nase der "Spirit of St. Louis" zeigt - ist auf der Webseite des Künstlers zu finden (www.torben-kuhlmann.com).Dort findet sich auch ein Teaser, der Einblicke in die Bildwelten gibt und die Geschichte grob skizziert: ausgespart sind jedoch - vielleicht nicht ohne Grund - die Eulen. Auch wenn die Gestaltung der Eulen besticht und die Seite mit Fotographien von Eulenfratzen einfach urkomisch ist, sind die bedrohlich wirkenden Räuber für die Geschichte dramaturgisch überflüssig. Dass die Maus bei ihrem Abflug fast noch in die Krallen einer Eule gerät, wäre im Film ein spannender Show-Down, kann im Buch jedoch nicht ganz überzeugen. Auch die vielen Zwischentitel, die den Text in Mini-Mini-Kapitel teilen, können den Lesefluss teils stören.

Faszinationskraft gewinnt "Lindbergh" zweifelsohne aus den Bildern und den vielen technischen Skizzen, für die auch Leonardo Da Vincis Zeichnungen als Vorbild dienten. Interesse am Thema und Lust zum Konstruieren macht die Geschichte jedes Mal aufs Neue, wenn man sich auf die stimmungsvollen Gemälde, auf eine bewegte Zeit und ihren inspirierenden Erfindergeist einlässt.

Fazit

Das Flair des beginnenden 20. Jahrhunderts, der Ideenreichtum der Geschichte, der verspielte Zugang zu Technik und Fliegerei - das macht den Band lesenswert. Die Bilder, aber, die Bilder machen "Lindbergh" zu einem Meisterwerk!

Anneka Esch-van Kan, Juli 2014

Lindbergh - Die abenteuerliche Geschichte einer fliegenden Maus

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