Lenchens Geheimnis

  • Thienemann
  • Erschienen: Oktober 2021

Illustrationen von Julia Christians; Hardcover, 64 Seiten

ISBN: 9783522185875

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Rita Dell'Agnese
55%

Kinderbuch-Couch Rezension vonAug 2022

Idee

Es will nicht so recht gelingen, mit der Protagonistin warm zu werden.

Bilder

Die Illustrationen lassen die 70er Jahre auferstehen.

Text

Geschrieben ist das Buch mit viel Charme und Witz.

Nicht das Beste von Michael Ende

Lenchen ärgert sich über ihre Eltern. Immer wieder haben sie ganz andere Vorstellungen davon, was gut für Lenchen ist, als sie es für sich selber sieht. Und so beschließt Lenchen, sich Hilfe von einer Fee zu holen. Die gibt Lenchen zwei Zuckerstücke, die sie in den Tee der Eltern tun soll. Durch den Zauber sollen sie jedes Mal, wenn sie Lenchen widersprechen, um die Hälfte geschrumpft werden. Wie sehr genießt es Lenchen nun, das Sagen zu haben. Ihre geschrumpften Eltern sind ganz in ihrer Hand. Doch was ist das? Lenchen fühlt sich irgendwie plötzlich gar nicht mehr so wohl. Eigentlich hätte sie ihre Eltern lieber wieder so, wie sie vorher waren. Doch um alles wieder ins Lot zu bringen, verlangt die Fee einen hohen Preis von Lenchen.

Auch zur Zeit der Erstauflage veraltet

Normalerweise bürgt der Name „Michael Ende“ für zauberhafte Kinderbücher mit viel Tiefsinn. Auch für das Buch Lenchens Geheimnis gilt das, wenn auch nur ansatzweise. Was der Kinderbuchautor darin erzählt, soll die Kinder zum Nachdenken darüber anregen, ob sie mit ihrer Wunschwelt tatsächlich so glücklich wären, wie sie sich das gerade vorstellen. Das ist ein durchaus sinnvoller Grundgedanke, und so hätte die Geschichte denn auch einiges Potenzial. Das allerdings stolpert über einige größere und kleinere Unfeinheiten. So etwa über die ältlichen Rollenbilder, die hier zutage treten. Selbst 1991, als das Buch in der Erstauflage erschien, waren die Klischees, die Michael Ende hier bemüht, nicht mehr zeitgemäß – Lenchens Familie hätte eher in die 40er oder 50er Jahre gepasst.

Kleine Egoistin

Irgendwie fällt es über das ganze Buch hinweg auch schwer, mit Lenchen warm zu werden. Sie wird als eine kleine, gedankenlose Egoistin dargestellt, die sich darüber freut, dass ihre Eltern entsetzt auf die Veränderungen reagieren. Obwohl die Eltern ihrer Tochter mit viel Wärme begegnen, zeigt das Lenchen eine unangenehme Gleichgültigkeit und Kälte. Das wird letztlich zwar gemildert dadurch, dass das Lenchen bereit ist, einen großen Preis zu zahlen, um alles, was sie angerichtet hat, wieder rückgängig zu machen, doch kommt das so spät, dass die negativen Gefühle gegen die Protagonistin nicht mehr ins Gegenteil umschlagen können.

Mit Witz erzählt

Zugutehalten muss man Michael Ende, dass er seinen Roman wie immer mit einer klar witzigen Note erzählt und man das Augenzwinkern immer mal wieder förmlich spüren kann. Hier bricht die wunderbare und unvergessliche Feder des Autors hervor und nimmt der Geschichte etwas von ihrer Bitterkeit. Nicht ganz warm wird man im Übrigen auch mit der Illustration des Bilderbuchs – sie wirkt, wie die beschriebenen Rollenbilder der Familie etwas ältlich. Ob das davon kommt, dass die Bilder aus dem Entstehungsjahr der Geschichte stammen oder sie bewusst an den Ursprung vor über 30 Jahren erinnern soll, ist nicht nachvollziehbar.

Fazit

Lenchens Geheimnis ist nicht das Beste, was Michael Ende während seiner Autoren-Karriere vorgelegt hat. Selbst für eingefleischte Fans dürfte diese Geschichte eher im Mittelfeld dümpeln. Wer aber einfach eine witzige Feder sucht, wird hier auf seine Kosten kommen.

Lenchens Geheimnis

, Thienemann

Lenchens Geheimnis

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