Couch-Wertung:

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Bilder
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Idee

Ein typisches Motiv „Hund jagt Postbote“ wird ungewöhnlich komisch umgesetzt. Leicht und humorvoll bringt uns Lieselotte auf jeder Seite richtig zum Lachen.

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Die bildliche Darstellung ist das absolute Highlight des Buches. Auf zahlreichen Nebenschauplätzen werden witzige Geschichten in der Geschichte gezeigt. Wunderbar auch die Mimik der tierischen Charaktere.

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Gut verständliche, kurze Texte, die die Geschichte erklärend untermalen.

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Apr 2006

Die Kuh Lieselotte ist eine ungewöhnliche Kuh, die nichts mehr liebt, als täglich den Postboten vom Hof zu treiben. Sie hat einen Riesenspaß daran, sich vor dem hilflosen Briefträger zu verstecken, ihm aufzulauern und sich dann mit ohrenbetäubendem Gebrüll auf ihn zu stürzen, so dass er mit wehenden Fahnen das Weite sucht. Nachts quälen den armen Kerl schon Alpträume von grimmig dreinschauenden Kühen an der Supermarktkasse. Auch die Bäuerin ist wütend auf die lauernde Lieselotte, denn schon lange hat sie kein Paket mehr bekommen, dessen Inhalt nicht zerbrochen war. So kann das nicht weitergehen.

Lieselotte, die temperamentvolle Kuh mit Hundeblick, hat ein ungewöhnliches Hobby. Für Sie gibt es nichts Schöneres als sich immer wieder ein neues Versteck auszusuchen, um dann den ahnungslosen Postboten mit lautem Gebrüll mächtig zu erschrecken. So kann sie sich morgens im Stall beinahe nicht mehr auf das Wesentliche konzentrieren, weil es bald wieder soweit sein wird. Weder die geduldige Bäuerin noch der brave Briefträger sind glücklich über diese Situation. Da hat der gestresste Briefträger einen Einfall, der das weitere Leben aller Beteiligten verändern wird.

Vielleicht ändert Lieselotte ihr Verhalten, wenn Sie selbst ein Paket bekommt. Doch auch an diesem Tag lässt Lieselotte es sich nicht nehmen, unvorhergesehen mit Taucherbrille aus der Badewannentränke zu preschen und dem zitternden Postboten auf seinem Fahrrad hinterher zu traben. Die Bäuerin ist so wütend, dass sie mit ihrem alten Traktor hinterher knattert um das Spektakel zu beenden. Erst als der Postbote bremst und Lieselotte zubrüllt ";Das Paket ist doch für Dich du blöde Kuh" bremst auch Lieselotte scharf. Doch das Paket hat sich bei dieser Aktion selbstständig gemacht und wird, für alle sichtbar, vom Traktor der Bäuerin überrollt. Stille. Lieselotte bekommt weiche Knie und lässt sich mit ihrem dicken Hinterteil auf das gelbe Postfahrrad plumpsen. Da ist der verzweifelte Postbote ganz bleich vor Schreck und die Kuh Lieselotte blickt peinlich betreten. Seither hat Lieselotte den Briefträger nicht mehr vom Hof gejagt. Und trotzdem kann sie sich morgens beim Melken immer noch nicht auf das Wesentliche konzentrieren, denn sie wartet darauf, dass zu tun, was sie am meisten liebt.... Post austragen.

Die Kuh Lieselotte übernimmt die klassische Rolle des Hundes und treibt den Briefträger, dargestellt als unrasierter, blasser Geselle, beinahe in den Wahnsinn. Alexander Steffensmeier, der nicht nur Autor sondern auch Illustrator des Buches ist, hat der Kuh zu diesem Zweck mimisch einen unschuldigen Hundeblick verliehen und sie mit einem schwarzen Fleck am linken Auge, der sofort an den Hund in der Schwarz-Weiß-Serie ";Kleine Strolche" erinnert, versehen. Er hat ebenso dafür gesorgt, dass das Buch auch bei mehrmaligem Vorlesen nie langweilig wird. Denn er hat Nebenschauplätze geschaffen, die so komisch sind, dass man automatisch die Suche danach aufnimmt. Z.B. sieht man auf der ersten Seite im Hintergrund ein Huhn im Sturzflug vom Dach zur Erde fallen. Auf der darauffolgenden Doppelseite findet man dieses Huhn mit Halskrause und Verband durch die Gegend torkelnd wieder. Oder die Ameise, die im Deckel der Milchkanne Skateboard fährt. Oder die Bäuerin, die die Zeitschrift "; Farmervogue" bei einer Tasse (mit defektem Henkel) Tee liest. Oder die Bücher auf dem Nachttisch des Postboten mit Titeln wie ";Mit der Kuh auf Du und Du" . Oder die Abdrücke des Postfahrrads auf Lieselottes Rindviehpopo und noch so viele mehr. Eine wahre Vielfalt von witzigen Einfällen hat Steffensmeier da zur Papier gebracht. Alleine deswegen lohnt es ich schon, das Buch immer wieder zur Hand zu nehmen. Mit dieser Technik sprengt er das eigentliche Bilderbuch Thema, bewirkt damit aber eine unglaubliche Attraktivität auch für Erwachsene.

Die aquarellierten, witzigen Zeichnungen sind angenehm in der Farbe und unterstützen die Geschichte perfekt. Die Illustrationen sind weit mehr als die bildliche Umsetzung des kurzen Textes. Wer den Blick etwas länger über den Zeichnungen verweilen lässt entdeckt schnell, dass hier eine ganz eigene, teilweise auch ungewöhnliche Dynamik herrscht. Z.B. taucht die Kuh Lieselotte auf einem Bild in sechsfacher Ausführung auf. Damit wird für alle sichtbar, welche ernorme Kreativität Lieselotte in der Auswahl ihrer Verstecke an den Tag legt, während parallel hierzu der normale Bauernhofalltag ungestört weiter geht. In einer Art Rückblende sehen wir die Bäuerin ein Paket mit lädiertem Inhalt auspacken und die Alpträume des geplagten Postboten. Diese Rückblenden werden von Steffensmeier als eine Art Comic-Strip aufgebaut und heben sich somit deutlich von der eigentlichen Geschichte ab.

Wunderschön auch die Mimik der Charaktere. Nicht nur die in den Gesichtern der Menschen, sondern insbesondere die der Kuh und der vielen Hühner. Die Hühner in den Nebenrollen sind grandios. Ob sie ihre Küken aus Angst vor dem panisch fliehenden Postboten in Sicherheit bringen oder sich verliebt mit einem Kaktus austauscht, dessen Blüte wie ein Hahnen-Kamm ausschaut, es lohnt sich einfach immer nach ihnen Ausschau zu halten.

Eingerahmt wird die Geschichte von dunkelblauen Umschlag-Innenseiten, auf denen in schwarzen Skizzen schemenhaft weitere Verstecke von Lieselotte zu erkennen sind. Ein weiteres Element, das den unglaublichen Einfallsreichtum in Lieselottes Marotte aufzeigt und ebenfalls den einen oder anderen Lacher hervorruft.

Fazit:

Eine wunderbar lockere, vielleicht ein wenig verrückte Geschichte, die Kinder wie Erwachsene richtig zum Lachen bringt. ";Lieselotte lauert" sollte in keinem Kinderzimmer fehlen!

Gabriele Jansen 

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