Weg in die Dunkelheit

  • cbj
  • Erschienen: März 2022

übersetzt von Knut Krüger; Hardcover, 416 Seiten

Band 3 von 4 aus der Weltgeschichten-Reihe

ISBN: 9783570179093

Weg in die Dunkelheit
Weg in die Dunkelheit
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Julian Hübecker
87%

Kinderbuch-Couch Rezension von Julian Hübecker Apr 2022

Idee

Gute Umsetzung mit kleinen Schwächen, aber hervorragend für alle Geschichtsbegeisterten!

Text

Man ist schnell drin im Geschehen. Es fehlt aber ein Bezug zu so manchen Protagonisten.

Geschichte hautnah

1914 kam es in Sarajevo zu einem folgenschweren Attentat, das die Welt nachhaltig erschüttern und Millionen Todesopfer fordern wird. Es ist der Beginn des Ersten Weltkriegs. Nie zuvor wurden während einer kriegerischen Auseinandersetzung mehr Todesopfer beklagt, wurde ein Kontinent geopolitisch geradezu auf den Kopf gestellt. Dieses Buch zeugt von Einzelschicksalen, die den Krieg mehr oder weniger beeinflussten – einige Namen sind bis heute bekannt.

„Die Uhr tickte. 10.30… 10.35…“

Es ist das Jahr 1914, als der Serbe Gavrilo Princip entschied, den Erzherzog Franz Ferdinand und seine Frau Sophie zu erschießen. Schon längst herrscht Unzufriedenheit in der Bevölkerung der Monarchie Österreich-Ungarn. Vor allem die Menschen der Balkanhalbinsel verlangen die Unabhängigkeit, es geht um ethnische Feindseligkeiten und politische Unzufriedenheiten; die Monarchie war ein Pulverfass und Princip war die Lunte, die die aufgestaute Wut zum Explodieren brachte.

Nun gab es kein Halten mehr! Österreich-Ungarn bat das Deutsche Reich um Hilfe, Russland sagte Serbien seine Unterstützung zu und Frankreich schloss zuvor schon ein Bündnis mit Russland. Immer mehr Staaten kamen hinzu, entweder, weil sie Bündnisse schlossen, unter kolonialer Herrschaft standen oder sich Erfolge versprachen. Anfangs war auch der Rückhalt der Bevölkerung groß, viele unterstützten freiwillig den Krieg – sogar Frauen. Doch niemand konnte sie auf das grausame Gemetzel vorbereiten, das insbesondere Europa in eine Krise stürzen würde, das noch weit nach dem Zweiten Weltkrieg nachhallen wird.

Geschichte wird lebendig

Als Historiker weiß Dominic Sandbrook um die Unüberschaubarkeit so mancher Ereignisse – so auch beim Ersten Weltkrieg, der bis 1918 wütete und als Laie kaum zu überblicken ist. Ein waghalsiges Unterfangen, die Geschichte so weit zu vereinfachen, dass man den Überblick nicht verliert. Nach dem Zweiten Weltkrieg und Alexander dem Großen darf natürlich auch der Erste Weltkrieg nicht fehlen. Dabei klamüsert Sandbrook nicht die einzelnen Ereignisse auf, sondern lässt die Menschen sprechen, die hautnah mit dabei waren. Manche von ihnen überlebten, von anderen sind nur Briefe übrig geblieben, doch es sind all jene Zeugnisse, denen sich Sandbrook bedient.

Dabei sind die Kapitel kurz gehalten und die meisten Augenzeugen haben nur kurze Auftritte. Einige Soldaten, die bis heute als Helden gefeiert werden, kommen zu Wort; Herrscher der beteiligten Reiche begehen Fehlentscheidungen und besiegeln die Schicksale von Millionen Menschen; Überlebende entgehen nur knapp dem Tode. So reiht sich Bericht an Bericht und es entsteht eine durchgängige Geschichte, die sich spannend, grausam und realitätsnah liest.

Vor allem ist es aber die Grausamkeit, die schwer wie ein Stein im Magen liegt – insbesondere wegen der aktuellen Situation in Osteuropa. Sandbrook hat keine Wahl, als von all den Soldaten zu sprechen, die einen sinnlosen Tod sterben. Erst sind es hunderte, dann tausende und schließlich zehntausende, die innerhalb weniger Momente ihr Leben verlieren. Man wünscht sich kleinere Verschnaufpausen, als von Schlachtfeld zu Schlachtfeld zu wandern – vielleicht, indem man einige der Menschen näher kennenlernt, mehr über ihre Taten erfährt. Doch letztendlich ist es eben ein Zeugnis eines der schrecklichsten Ereignisse, die die Menschheit in Gang gebracht hat – was will man da noch beschönigen?

Fazit

Unheimlich spannend und geschichtsnah geschrieben: So wird Geschichte lebendig. Allerdings ist das Buch nicht für jeden geeignet, denn man braucht starke Nerven, um das Geschriebene zu ertragen.

Weg in die Dunkelheit

Dominic Sandbrook, cbj

Weg in die Dunkelheit

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