Couch-Wertung:

88%
Idee
Bilder
Text

Idee

Spannend, stimmungsvoll, überraschend einfallsreich, mit lebendigen und eigenständigen Charakteren

Bilder

Stimmungsvolle s/w Strichzeichnungen von Ralf Nievelstein

Text

Sprache voller Vielfältigkeit und Vorstellungskraft, die überraschend leicht wirkt und dennoch voller Ausdruck steckt.

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Kinderbuch Couch

Buch-Rezension von Kinderbuch Couch Apr 2007

Kinderbuch des Monats [04.2007]. Karl, ein Waisenjunge, träumt schon sehr lange davon, zur See zu fahren. Als er sich den ";Winzigen" anschliesst, um über das große Meer zu segeln und vor dem ";12. Kontinent" vor Anker zu gehen, ahnt er noch nichts von seinem bevorstehenden Abenteuer. Dabei findet er nicht nur die Wahrheit über die verschwundenen Kinder der kleinen Menschen heraus, er deckt auch das Rätsel um den geheimnisvolle Kontinent selbst auf und erfährt, dass sogar sein eigenes Schicksal eng mit diesem sehr lebendigen Eiland verbunden ist.

Karl hat die Nase voll vom Waisenhaus und von der Schule. Seit sein bester Freund fort ist, kann er seine verzweifelte Wut nicht mehr unter Kontrolle bringen. Am Ende droht ihm sogar ein Schulverweis. Als er von seiner Erzieherin auch noch erfahren muss, dass die Geschichte über seinen angeblichen Vater, dem Kapitän, nur ihre Erfindung war, bricht Karls Welt vollends zusammen. Eines nachts verschwindet er durch das Fenster; im Gepäck hat er nur sein Modell-Segelschiff und eine Zahnbürste. Auf seinem Weg zum Meer begegnet er den Winzigen, die auf mysteriöse Weise in einem kleinen Bach Schiffbruch erlitten haben. Karl bietet ihnen sein Segelschiff an und würde nur zu gerne mitkommen - nur leider ist er dafür zu groß. Doch durch den Verzehr des Schiffszwiebacks der Winzingen geschieht ein Wunder; auch er wird so winzigklein wie sie. Das Ziel ihrer Reise ist der ";12. Kontinent". Dort sind die Kinder des winzigen Seefahrervölkchens eines nachts spurlos verschwunden. Kaum am Ziel angelangt, gelingt es Karl, zusammen mit seinem Freund Sven, einige Geheimnisse der Insel zu lüften. Sie machen Bekanntschaft mit den beiden einzigen Bewohnern der Insel: der liebenswürdigen Café-Besitzern Miriam und dem mürrischen Touristenführer und einstigem Kapitän Henk Olafsen. Sie finden heraus, dass es der ";Uralte" ist, der seine, wie auch immer gearteten, Finger im Spiel haben muss, wenn plötzliche Stürme die Insel erfassen oder wenn die Erde unter ihren Füssen erbebt. Besonders Henk steht mit dem ";Uralten" auf Kriegsfuss. Keiner aber weiss, wer oder was der Uralte ist - man muss einen von den ";Hühnergötter" - Steinen, mit einem Loch in der Mitte, an das Ohr legen, um zu hören, was sich der Uralte so denkt. Und der ist meist ebenso wütend wie Henk. Als Karl bei einem der ";Wutanfälle" des Uralten beinahe im aufgepeitschten Meer ertrunken wäre, wendet sich das geheimnisvolle Wesen direkt an den Jungen und dieser begreift schließlich, wer oder was der Uralte ist. Jetzt weiss er was er tun muss, um die Kinder zu befreien. Doch nicht nur die Winzigen bekommen ihre Kinder zurück, auch Karl findet etwas wieder, an das er schon nicht mehr geglaubt hatte...

Die Geschichte vom Waisenjungen Karl beginnt mit realistischen Momentaufnahmen seines Lebens. Dabei erfahren wir eindrucksvoll, wie es in Karl aussieht, wenn er seine Wut nicht mehr unter Kontrolle bekommen kann. Er, der Außenseiter, tut alles, um es noch mehr zu werden. Die Hänseleien seiner Schulkameraden fügen ihm weiteren Schmerz zu und er weiss ihn nur noch mit seinen starken Fäuste abzuwehren. Freilich reagiert er so manches Mal über, was ihm schließlich auch den Schulverweis einbringt. Sehr schön plastisch gibt Antonia Michaelis das Gefühl der Ohnmacht wieder - und damit einhergehend das Gefühl des Ausgeliefertseins, das Karl durch seine körperliche Überlegenheit wettmachen will. Das Gefühl der Verlassenheit und Ziellosigkeit spitzt sich zu, als ihm gesagt wird, dass sein Vater, der Kapitän, nicht existiere und auch nicht nach ihm suche. Einer, der nichts mehr zu verlieren hat, macht sich auf die Suche, gibt seiner Sehnsucht nach dem Meer nach. Und ganz überraschend nimmt der durchaus realistische Anfang von Karls Lebensgeschichte eine ganz andere Wendung: Ganz unversehens sind wir im Land der Fantasie - doch Antonia Michaelis findet für so manche ";Unglaublichkeit" eine ganz plausible Erklärung und lässt ihre Geschichte überaus lebendig werden.

Überraschend wie die vielen Wendungen, die die Geschichte nimmt, ist auch die Detailverliebtheit mit der Antonia Michaelis ihre Charaktere aufbaut und dem 12. Kontinent seine ganz eigene Atmosphäre verleiht.
Geschickt verwebt sie das Leben aller und findet am Ende genau das richtige Augenmass, um ihre Schicksale glaubwürdig zu verbinden.

Vor allem der 12. Kontinent birgt so viele ungeahnte Mysterien in sich, dass man kaum vorhersehen kann, wie sich die Geschichte weiterentwickeln mag; doch ab einem bestimmten Punkt ahnt man es, und hofft, dass es ohne weitere Verstrickungen zu einem guten Ende für alle führen mag - und den Gefallen tut uns Atnonia Michaelis auch. Ein gelungen vorbereiteter Schluss mit einem herrlichen Happy-End.

In besonderem Masse überzeugt Antonia Michaelis mit ihrer Sprache, die voller Vorstellungskraft steckt. Sie bringt Stimmungen mit ihren Beschreibungen präzise auf den Punkt. Kein Wort erscheint hier zu viel und es macht durchweg Spass, dieses Abenteuer aus der Sicht Karls mitzuerleben, dessen Interpretationen humorvoll und ziemlich aufschlussreich sind. Dadurch, dass wir unmittelbar von seinen Gedanken und Gefühlen - und auch jenen, die er zu verdrängen versucht - erfahren, ist die Geschichte umso greifbarer. Dabei würzt Michaelis ihre Geschichte mit wunderbaren Beschreibungen der Natur, die sie buchstäblich zum Leben erweckt - und damit offenbart sie auch nach und nach den eigentlichen Zauber des 12. Kontinents. Und wie wahr fühlen sich ihre ";Momentaufnahmen" an, die sie, wie um die Bühne für ein weiteres Spektakel vorzubereiten, ganz wie von selbst einflechtet: ";In den schrägen, tiefen Lichtstrahlen tanzten ein paar späte Sommermücken, und die silbernen Stämme der Bäume warfen lange violette Schatten auf die regenfeuchte Erde. Es war schön, so durch den Abendwald zu gehen, und gleichzeitig wurde einem dabei ganz schwer ums Herz. ... Ich sah mich um, aber da war nichts zu sehen außer dem Wald und dem Abendlicht und den Mücken. Die Schatten wuchsen jetzt rascher und wurden von Minute zu Minute tiefer und dichter, als zögen sie sich im Unterholz zusammen. Und da war der Wald nicht mehr schön."

Fazit:

Antonia Michaelis hat mit dem ";Geheimnis des 12. Kontinents" ein überaus fantasievolles und zugleich emotionales Buch geschrieben, das eine wunderschöne Geschichte erzählt, die voller Überraschungen steckt. Es ist die Vielfältigkeit ihrer Sprache, die mit Leichtigkeit Spannung erzeugt und ihr feines Gespür für Stimmungen zum Ausdruck bringt.

Stefanie Eckmann-Schmechta


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