Ein toll gestaltetes Buch, das durch verblüffende Fälle und viele Hintergrundinfos überzeugt.
Verbrechen passieren, seit es Menschen auf der Erde gibt. Und auch wenn es zweifelsohne verwerflich ist, andere Menschen zu betrügen oder ihnen Schaden zuzufügen, sind wir Menschen doch immer wieder an Verbrechen interessiert. Krimis erfreuen sich sowohl in Roman- als auch in Serien- und Filmform großer Beliebtheit, Podcasts aus diesem Bereich stehen weit oben in den Charts, und in Computerspielen gibt es meist auch eine gute und eine böse Seite. Oft ist es einfach die Unglaublichkeit, wie ein Verbrechen geplant und durchgeführt wurde, die uns staunen lässt und unser Interesse weckt. Genau um solche Geschichten geht es im Buch „Neue Fälle: Erwischt! – Zeitreise ins Verbrechen“, bei denen man kaum glauben kann, dass sie wirklich so passiert sind.
Von London über Paris, Hamburg bis nach Palo Alto
Eigentlich sollte man meinen, um die Baker Street in London machen Gauner und Diebe lieber einen großen Bogen, schließlich wohnt in ihr der weltberühmte Detektiv Sherlock Holmes. Doch weit gefehlt: Im Jahr 1971 ereignete sich hier ein wirklich spektakulärer Bankraub. Anthony Gavin und seine Bande haben eine geniale Idee, wie sie in den Tresorraum einer der am besten gesicherten Banken Londons gelangen können: Sie mieten ein leeres Ladenlokal in der Nähe und buddeln von dort einen 12 Meter langen Tunnel, der genau im Raum mit den privaten Schließfächern wohlhabender Kunden endet. Als die Bank am Wochenende geschlossen hat, gelangen sie an ihr Ziel und es gelingt ihnen, unentdeckt die Fächer leerzuräumen. Zum Glück sind ihnen bei ihrem Plan einige Fehler unterlaufen, die die Polizei auf ihre Spur führen…
Unglaublich aber wahr: 1922 wurde der Eiffelturm an einen Schrotthändler verkauft, der das Metall, das durch den Abriss gewonnen würde, für viel Geld verkaufen wollte, um daraus neue Brücken und Eisenbahnschienen herstellen zu lassen. Aus jetziger Sicht kaum nachzuvollziehen, dass jemand auf diese Verkaufsidee hereinfällt und dem angeblichen „Verkäufer“ auch noch sehr viel Geld zahlt, doch hatte der Eiffelturm im Jahr 1922 noch nicht den Bekanntheitsstatus, den er in der Gegenwart hat. Er war stark verrostet und musste für viel Geld gestrichen werden. So viel Geld für einen Sendemasten auszugeben – denn als solcher wurde der Eiffelturm damals durch das französische Postministerium genutzt – sahen viele Menschen nicht ein, sodass es in einigen Zeitungen wirklich Artikel gab, in denen es darum ging, ob man den Eiffelturm nicht lieber verschrotten sollte. Wie viel Geld Victor Lustig schließlich von André Poisson bekam, warum er zunächst keine Strafe erhielt und wie die Verbrechen des einfallsreichen Gauners schließlich doch ein Ende fanden, lässt sich im zweiten Kapitel des Buches erfahren.
Im dritten Abschnitt geht es nach Palo Alto in die USA. Wir schreiben das Jahr 2002 und an einer der bekanntesten Universitäten des Landes studiert zu dieser Zeit Elizabeth Holmes. Als sie sich versehentlich in ihren Finger schneidet und ein Pflaster auf die blutende Wunde klebt, kommt ihr plötzlich eine geniale Idee: Wie wäre es, wenn es ein Pflaster gäbe, das den Körper beim Aufkleben auf Krankheiten untersucht und dann direkt die passenden Medikamente ausschüttet? Überzeugt von ihrer Idee sucht sie schon bald ihre Professorin in der Uni auf, doch diese winkt nur ab, denn nur wenige Tropfen Blut reichen einfach nicht aus, um Krankheiten im Körper zu erkennen. Doch so einfach lässt sich Holmes nicht von ihrer Idee abbringen. Schon 12 Jahre später ist sie die jüngste Selfmade-Millardärin der Welt, frei nach dem Motto: „Fake it till you make it“. Ob sie mit diesem Motto dauerhaft erfolgreich sein kann?
Auch in Deutschland gab es in der Vergangenheit Verbrechen, bei denen man sich fragt: Wie konnte das funktionieren? Ein gutes Beispiel dafür sind die „Hitler-Tagebücher“, die Konrad Kujau zunächst geschickt fälschte und dann mit einer einfallsreichen Geschichte für viel Geld an den „Stern“ verkaufte, der sich durch deren Abdruck hohe Verkaufszahlen seines Magazins versprach. Dass es sich dabei um Betrug handelte und nicht um Hitlers Tagebücher, kam natürlich schnell ans Licht, was einige Konsequenzen mit sich brachte…
Zu guter Letzt geht es noch einmal zurück nach London ins Jahr 1671, wo es wieder ziemlich spektakulär wird: Die Kronjuwelen des Königs werden gestohlen. Wie die Diebe genau vorgingen, ob die Juwelen wieder auftauchten und welche Strafe sie erhielten, lässt sich im letzten Kapitel erfahren...
Aufbau und Gestaltung
Es gibt Verbrechen, bei denen fragt man sich, wie ein solch abstruser Plan überhaupt funktionieren konnte. In „Erwischt! – Zeitreise ins Verbrechen“ geht es um genau solche Fälle. Doch keine Angst: Auch wenn es am Anfang so scheint, dass die Pläne der Diebe und Betrüger funktionieren, am Ende werden sie doch „Erwischt!“, wie der Titel des Buches schon andeutet. Egal ob Verkauf des Eiffelturms, die Fälschung der Hitler-Tagebücher oder der Kronjuwelen-Raub, hinter allen steckt eine clever umgesetzte Idee, die nur aufgrund kleiner Fehler schließlich scheiterte.
Jede Geschichte startet in Form eines Comics, der sich über zwei bis fünf Seiten erstreckt. In diesem wird die Entstehung des Plans und dessen Durchführung erzählt, sodass man in kurzer Zeit anschaulich erfährt, worum es im jeweiligen Fall geht. Anschließend folgen etwa ein bis dreiseitige Texte, in denen auf verschiedene Aspekte der Fälle eingegangen wird. Jede Seite steht dabei unter einer eigenen Fragestellung, beginnend mit „Was ist passiert?“. Anschließend folgen Fragen wie „Wie wurde die Tag aufgeklärt?“, „Kann das heute noch passieren?“ oder auch „Was hat das Verbrechen verändert?“, je nachdem, um was es im Fall geht.
Zusätzlich findet sich auf den Seiten unter „Schon gewusst?“ spannendes Faktenwissen, das zum jeweiligen Fall passt. So wird beispielsweise erklärt, warum Londoner Polizisten auch Bobbys genannt werden, wie man sich vor der Zeit der Handys unterwegs miteinander verständigen konnte oder was das Silicon Valley ist.
Um was für Persönlichkeiten es sich bei den Verbrechern handelt, lässt sich in den jeweiligen Steckbriefen erfahren, die Stilecht in Form eines „Gesucht!“-Plakats gestaltet sind. Auf ihnen lässt sich neben dem Namen der Betrüger und Diebe auch deren Geburtstag und -ort, ihr Beruf, besondere Merkmale, Hobbys oder auch mehr über Charaktereigenschaften erfahren. Zusätzlich finden sich in den einzelnen Kapiteln auch „Berühmt“-Steckbriefe, in denen bekannte historische Persönlichkeiten wie Sherlock Holmes oder König Karl II. kurz porträtiert werden.
Nicht nur auf den Comic-Seiten, auch zwischen den Texten finden sich viele kleine Illustrationen, die den Inhalt der Abschnitte passend veranschaulichen. Der freche und moderne Stil passt gut zum Thema und spricht Grundschulkinder an.
Das Buch richtet sich an Kinder ab 9 Jahren. Sowohl der Umfang der Geschichten als auch die Thematik passen zum Alter der Zielgruppe. Durch den Wechsel aus Comic, kurzen Texten, Steckbriefen, „Schon gewusst“-Kästchen und anschaulichen Bildern eignet sich das Buch auch gut für Kinder, die nicht so gerne lesen, denen das Lesen noch etwas schwerfällt oder die mehr Abwechslung brauchen, um bei der Sache zu bleiben. Dadurch, dass in den Texten inhaltlich wichtige Wörter und Satzabschnitte fettgedruckt sind, fällt es leicht, wesentliche Inhaltspunkte zu erkennen und Zusammenhänge zu verstehen. Ganz nebenbei wird noch geschichtliches Wissen vermittelt, da die Fälle kurz und knapp historisch eingeordnet werden und auf Besonderheiten der Zeit hingewiesen wird.
Fazit
Ein empfehlenswertes Buch, dass sich durch seine verblüffenden Fälle und seine tolle Gestaltung von der Masse abhebt und Kinder sowohl thematisch als auch gestalterisch anspricht.




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